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kath 2:30 Dies DominiIm Anfang ist eine Seite schrecklich leer. Bevor eine Kolumne wie diese entsteht, liegen Tage der Entscheidung. Welches Thema soll angegangen werden? Welche Aspekte könnten interessieren? Welche Gattung und welche Strategie sollen verwendet werden? Wie kann man die Lesenden mit der Überschrift und den ersten Worten in den Text hineinziehen? Wie kann man sie mit auf eine Gedankenreise nehmen, das Komplexe vereinfachen, ohne es zu banalisieren, und trotzdem so erzählen, dass sie auch noch die letzten Worte erreichen? All das ist auf der leeren Seite verborgen, aus der man die schwarzen Striche, die man gemeinhin Buchstaben nennt, befreien muss. Weiße Seiten bergen einen Schrecken der Leere, mit dem schon viele Autoren gerungen haben. Was glauben Sie denn?

Einen Text zur Welt zu bringen ist ein Weg durch Höhen und Tiefen, manchmal eine schwere Geburt, aber meistens dann doch eine Reise, die auch den Autor erkenntnisreicher macht, als es vor dem Texten war. In der Begegnung mit anderen, deren Gedanken man kennenlernt, die zu Themen und Argumenten inspirieren, reift die eigene Sicht auf ein Thema. Man eignet es sich zunehmend an, geht mit ihm schwanger, bis man schließlich den Text gebiert. Manche Geburt ist wahrhaft schwer, bevor es heißt: Es ist ein Text! Und ich bin sein Autor! Jetzt, wo der Text das Licht der Welt erblickt hat, macht er sich selbständig, nimmt Gestalt an in den Lesenden, bringt neue Gedanken hervor, erweckt Widerspruch und Zustimmung. Er beginnt ein Eigenleben zu führen. Der Text lebt! Die Arbeit hat sich gelohnt …


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