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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Vierter Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C

Die Bilder sind brutal. Brutaler ist aber die Ursache, die zu den Bildern führt. In Butscha und vielen anderen Orten in der Ukraine kommt der Tod plötzlich, reißt Menschen vom Fahrrad, reißt sie von den Füßen, reißt sie aus dem Leben. Tagelang liegen die auf der Straße, die als Zivilisten durch eine russische Kugel mitten aus dem Leben gerissen wurden. Sie haben jetzt keine Zeit mehr, ihre Kinder und Kindeskinder aufwachsen zu sehen, Hochzeiten zu feiern, Träume zu verwirklichen, sich am erwachenden Leben im Frühling zu erfreuen. Der Tod ist brutal – brutal sinnlos. Kann es einen Sinn im Sinnlosen geben?

Die Frage ist innerweltlich nicht zu beantworten. Seit Menschengedenken wird nach Antworten gesucht. Eine einfache Rechnung lautet: Wer gut handelt, wird durch Wohlstand, Reichtum und langes Leben belohnt; Krankheit, früher Tod und Armut trifft hingegen die, die schlecht handeln. Dieser sogenannte „Tun-Ergehen-Zusammenhang“ aber scheitert an der Realität. Zu viele Menschen, die ihr Bestes gegeben haben, sterben früh oder scheitern, während manche Gewalttäter durchaus in Wohlstand alt werden. Fromme können krank werden und am Leben und auch an Gott verzweifeln, während Gottlose sich des Lebens freuen. Der „Tun-Ergehen-Zusammenhang“ mag einer einfachen Logik folgen – allein das Leben ist eben nicht logisch. Schon gar nicht, wenn ein Krieg von jemandem entfesselt wird, der der Logik des Rechtes der Stärkeren folgt. Kann es da überhaupt Gerechtigkeit geben?


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kath 2:30 Dies DominiDas Leben ist kein Videospiel. In der virtuellen Illusion können fatale Fehlentscheidungen einfach durch neue Leben kompensiert werden. Im analogen Leben geht das nicht so ohne Weiteres. Wer hier sein Leben verliert, hat keines mehr. Es ist auf ewig ausgelöscht, getilgt, vernichtet. Es gibt dann keine Zeit mehr, die Kindeskinder heranwachsen zu sehen, sich des Lebens zu freuen und die Früchte der eigenen Arbeit zu genießen.

Die deutsche Geschichte ist geprägt von Erfahrungen der sinnlosen Vernichtung von Leben. Der dreißigjährige Krieg verheerte ganze Landschaften, der erste Weltkrieg industrialisierte das Sterben, der zweite Weltkrieg und die Naziherrschaft totalisierten das Töten mit perverser Perfektion. Das kollektive Gedächtnis unserer Gesellschaft hat über Jahrzehnte und Jahrhunderte internalisiert, dass der Tod ein Meister aus Deutschland ist. Der Ruf nach dem „Nie wieder!“, der auch am 8. Mai, dem Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung von der Naziherrschaft, wieder zu hören sein wird, hat hier seinen existentiellen Grund. Dem stimmt man doch gerne zu! Was glauben Sie denn?


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