Das Volk ist der Souverän. Bei Störungen individueller Befindlichkeiten, aber auch bei gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen, an denen die Gegenwart nicht gerade arm ist, erweist sich, ob er in der Lage ist, souverän zu handeln; oder verhält er sich wie ein Kind in der Quengelzone des Discounters, das nur die eigenen Bedürfnisse befriedigt sehen will. In Krisen zeigt sich, ob ein Volk aus Milchtrinkern oder Schwarzbrotessern besteht. Was glauben Sie denn?
Das Phänomen ist nicht neu. Immer schon wurde auf „die da oben“ geschaut, wenn es schwierig wurde. Verantwortung lässt sich in einer Demokratie aber nicht wirklich delegieren. Freiheit ist ein hohes Gut; Freiheit ist allerdings auch eine hohe Verantwortung, die jede und jeden angeht. Selbst eine stabile Demokratie duldet nicht die Trägheit des Souveräns. Wenn er der Herausforderungen der Freiheit müde geworden ist, ruft er gerne nach einem starken Führer, an den er die Verantwortung delegieren kann – wie ein kleines Kind, das nach den Eltern ruft. Ein Kind ist unmündig. So wird es auch dem Souverän geschehen, der die Verantwortung los werden möchte. Dabei bedarf es in einer herausfordernden Gegenwart mit ihren vielen Krisen mündiger Erwachsener, die wissen, dass Heilung manchmal auch unangenehme Therapien nicht ausschließt – angefangen von den Herausforderungen des Klimawandels, der sich einer Ouvertüre gleich in den rekordverdächtigen Hitzetagen andeutet, über die Frage, ob der Friede einfach geschieht oder verteidigt werden muss, bis hin zu den offenkundig notwendigen Reformen im Gesundheits- und Sozialwesen, weil die Frage im Raum steht, wer all das bezahlen soll.
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