Die Freiheit liegt dazwischen. Sie umfasst die Länge jenes Augenblicks der Entscheidung zwischen Reiz und Reaktion. Wer auf Reize nur wie der berühmte pawlowsche Hund reagiert, nimmt sich selbst jene Freiheit, zwischen verschiedenen Wegen der Reaktion zu entscheiden, ja, möglicherweise sogar gar nicht zu reagieren. Die Kommentarspalten der sogenannten „sozialen Medien“ lassen hingegen ahnen, dass bei allzu vielen das Reiz-Reaktions-Schema ungetrübt funktioniert. Die Kunst der Toleranz bleibt dabei auf der Strecke, jene Fähigkeit, den anderen Menschen auch dann zu ertragen (so die wörtliche Bedeutung des lateinischen „tolerare“), selbst wenn er Dinge behauptet, die der eigenen Sichtweise nicht zugänglich sind. Die einfache Frage: „Könnte er oder sie vielleicht doch Recht haben?“ kommt den Wenigsten in den Sinn. Was glauben Sie denn?
Was in der digitalen Welt gang und gäbe ist, breitet sich zunehmend in der analogen Welt aus. Auch hier lässt man sich nicht mehr lumpen und macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Dabei wäre es wichtig, sich diesen Moment Freiheit zu gönnen. Den noch freiheitsliebenden Menschen kann man oft an einem kleinen Laut erkennen – jenem „äh“, mit dem er oder sie sich den Moment Freiheit gönnt, jenen Augenblick, in dem sich entscheidet, welche Richtung der Gedanke und die folgende Handlung nehmen kann. Die, die sich zweifelnd voran stammeln, wissen oder ahnen zumindest, dass ihr Reden und Handeln Folgen hat. Sie wissen um die Kunst des Augenblicks, in dem die Freiheit zu sich selbst kommt.
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Wachstum ist ein zentraler Anspruch moderner westlicher Gesellschaften. Dabei sind Ressourcen meist endlich. Das gilt insbesondere für gesellschaftliche und soziale Ressourcen, die nicht beliebig erweitert werden können. Irgendwo fordert immer irgendjemand, man brauche mehr Personal für die Betreuung von Kindern, für die staatliche Sicherheit oder für die Pflege. In der Regel bleibt die Frage unbeantwortet, woher das Personal kommen soll. Es fordert sich halt fröhlicher als probate Problemlösungen zu liefern.
Der Umgang mit Ressourcen ist auch den gemeinen Alltag der Bürgerinnen und Bürger. Hier liegen sogar die größten Herausforderungen der Gegenwart. Nehmen wir das Beispiel „Rente“. Die Ressource „Gesamtmenge des zur Verfügung stehenden Geldes“ ist begrenzt. Die Zahl der Rentner hingegen steigt gegenwärtig stetig an. Es ist rein rechnerisch klar, dass das aktuelle System in nicht ferner Zukunft an seine Grenzen stoßen wird. Viele nehmen zwar an, dass sie mit den Beiträgen ihre eigene Rente finanziert hätten. In der Tat war die Rente bis zu Rentenreform 1957 unter der Kanzlerschaft Adenauers kapitalgedeckt. Mit dieser Reform wurde die „dynamische Rente“ eingeführt, die nicht nur die Rentenentwicklung an die Lohnentwicklung koppelte, sondern auch ein Umlageverfahren einführt. Der berühmte „Generationenvertrag“ sah vor, dass die jüngeren, erwerbstätigen Generationen die Renten der Ruheständler finanzierten. Man zahlte also nicht mehr für die eigene Rente ein, sondern für die der älteren Generation.
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