Dies Domini – Fünfter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A
Es gab schon bessere Zeiten für die Kirche. Die Austrittszahlen sind zwar signifikant insgesamt zurückgegangen, stagnieren aber im Vergleich zu früheren Jahren auf einem immer noch hohen Niveau. Die Pastoralstrategen versuchen dem mit marketingstrategischen Maßnahmen zu begegnen, als sei sie ein Unternehmen, bei dem man den Auftritt oder das Kommunikationsdesign einfach anders verpacken muss, damit die Menschen wieder kommen. Manch einer gibt sich dann schon damit zufrieden, wenn man den Kirchenraum mal wieder voll hatte – etwa, weil man eine wirklich eindrucksvolle Lichtinstallation oder ein anderes hippes Event dort durchgeführt hatte. All diese Maßnahmen sehen in der Kirche den eigentlichen Zweck; das eigentliche Ziel ist dann, dass die Kirche wieder wächst. Wenn dem so ist, muss man nüchtern konstatieren, dass das Ziel bisher nicht erreicht wurde. Aus dieser Sicht müsste die Kirche ihre spirituelle Insolvenz fürchten.
Tatsächlich liegt diesen ganzen Bemühungen, die immer darin gipfeln, die Kirche nur hipper und moderner zu verpacken, ein Kategorienfehler zugrunde: Ist die Kirche wirklich die Marke, um die es geht? Das Zweite Vatikanische Konzil nimmt da eine andere Perspektive ein, wenn es direkt am Beginn der dogmatischen Konstitution „Lumen gentium“ feststellt:
„Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit. Deshalb möchte sie das Thema der vorausgehenden Konzilien fortführen, ihr Wesen und ihre universale Sendung ihren Gläubigen und aller Welt eingehender erklären.“ (Lumen gentium 1)
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Der Mensch ist ein zutiefst analoges Wesen. Sicher, die Möglichkeiten der Digitalität bietet viele Chancen. Wo Nachrichten früher per Bote überbracht werden mussten, erreichen. E-Mails und Messengernachrichten in Lichtgeschwindigkeit das andere Ende der Welt. Vieles wird einfacher. Scheinbar jedenfalls. Denn manchmal kommt der Mensch nicht mehr hinterher.
Die Entwicklung schreitet rasant voran. Vor nicht allzu langer Zeit eroberten die sogenannten sozialen Medien die Heime und Hirne. Der Mensch als analoges Wesen ist ihnen noch ausgeliefert, denn in der analogen Welt galten entweder Regeln des sozialen Anstandes. Man wusste, dass es oft besser ist zu schweigen, um als weise zu gelten. Auch bedurfte es eines gewissen Aufwandes, einer nicht anwesenden Person einmal so richtig die Meinung zu sagen. Man schrieb Briefe, die man – seien sie handgeschrieben oder ausgedruckt – zeitaufwändig zu Papier brachte, das man kuvertieren musste. Auf das Kuvert musste man die eine Adresse schreiben – eine (!), denn Massennachrichten waren teuer, schließlich kostete der Versand Geld. Die Nachrichten waren etwas wert. Dann brachte man sie zur Post. Alles in allem ein Prozess der Zeit beanspruchte und viele Möglichkeiten zum Umdenken bot. Heute ist die eigene Befindlichkeit schnell in die Kommentarspalten und Messenger getippt und per Klick einer gesichtslosen Masse öffentlich zugänglich gemacht. Nachgedacht wird nur noch selten. Rausgehauen schon viel mehr. Was glauben Sie denn?
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