Sitzen ein Christ, eine Jüdin und ein Muslim zusammen. Wie die Ringträger aus der berühmten Parabel Lessings wussten sie nicht, wer von ihnen den wahren, den echten Ring hatte. Es hieß ja, dass von ihm eine geheime Kraft ausging, der vor Gott und den Menschen angenehm macht. Und so waren sie alle erpicht, ein angenehmes Erscheinungsbild abzugeben. Wie auch immer: Jede bzw. jeder war überzeugt, den Königsweg gefunden zu haben. Die Jüdin lebt in der Überzeugung, dem Volk anzugehören, das Gott sich selbst erwählt hatte. Der Christ strebte danach, dem zu folgen, der der Weg, die Wahrheit und das Leben sei und niemand zum Vater komme, außer durch ihn (vgl. Joh 14,6). Der Muslim hingegen hatte keinen Zweifel daran, der ältesten und der jüngsten Religion anzugehören: Die ganzen Propheten hätten ihr Bestes gegeben, Juden und Christen die wahre Religion zu erklären; weil die aber die Botschaften verfälscht hätten, musste noch einmal Mohammed kommen, um es ein für alle Mal richtig zu stellen. Was glauben Sie denn?
Wieder einmal hatte es einen Anschlag gegeben. Wieder einmal hieß es, der Täter sei islamistisch motiviert gewesen. Die Betroffenheit war groß. Der Muslim erhob als erster die Stimme:
„Wenn einer jemanden tötet, nicht für jemand, es so sein soll, als ob er die Menschen alle getötet hätte. Und wenn einer jemanden am Leben erhält, soll es so sein, als ob er die Menschen alle am Leben erhalten hätte.“ (Sure 5,32)
Die Jüdin horchte auf: „Den Satz kenne ich! Er steht im Talmud, und zwar in der Mischna zum Traktat Sanhedrin 4,5. Dort geht es um den Brudermord Kains an Abel. Dessen Blut schrie zum Himmel. Mit dem Satz antwortet Gott auf diesen Schrei. Er ist eine Anklage!“
Der Christ hatte dem Muslim über die Schulter geschaut:
„Schaut! Das steht auch im Koran. Dort wird der Satz eingeleitet mit den Worten: ‚Aus diesem Grund haben wir den Kindern Israels vorgeschrieben, dass, wenn einer jemanden tötet, es so sein soll, als ob er die Menschen alle getötet hätte.‘ (Sure 5,32)“
Der Christ und die Jüdin schauten den Muslim an. Seine Worte hatten schön geklungen. Er war ja überzeugt, dass die Botschaft von ihnen, Juden wie Christen verfälscht worden sei. Wenn der Koran sich also den Satz aus dem Talmud aneignete – war damit gesagt, dass Juden, aber auch Christen, dieser Weisung Gottes nicht gefolgt wären und es jetzt einer Korrektur bedurfte? In der Tat las die Jüdin weiter und stutzte. Nur ein paar Verse nach dem schönen Zitat las sie:
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Dies Domini – 22. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B
Blättert man, soweit man im Internet „blättern“ kann, die Worte zur Woche der vergangenen Jahre einmal durch und hält sie vor die Folie der Sonntagslesungen, entsteht ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend. Schon die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Deuteronomium ist deutlich:
„Ihr sollt dem Wortlaut dessen, worauf ich euch verpflichte, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; ihr sollt die Gebote des Herrn, eures Gottes, bewahren, auf die ich euch verpflichte.“ (Dtn 4,2)
Und im Streit mit den Pharisäern und Schriftgelehrten über die Reinigungsvorschriften vor dem Essen wird Jesus eindeutig:
„Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte, wie geschrieben steht: dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Vergeblich verehren Sie mich; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen.“ (Mk 7,6f.)
Wie war das mit meinen Versuchen, die Sonntagslesungen in unseren Alltag hinein sprechen zu lassen, war das immer nur das, was darin geschrieben steht oder hatte Goethe die Hände im Spiel: „Im Auslegen seid frisch und munter, legt Ihr‘s nicht aus, so legt was unter.“? Dabei hatte er zwar wohl eher die Juristen im Blick, aber es trifft ja auch auf die Theologen zu, dass man immer nur sieht, was man kennt und auch nur darüber redet. Ein legendärer Bonner Repetitor formulierte es so: Erst finden wir mal die Lösung, dann kriegen wir das schon begründet. So habe ich, hoffentlich, die Worte zur Woche nicht zu oft missbraucht, zunächst das Anliegen zu überlegen und dann mal nach passenden Bibelstellen zu suchen. Mein Anliegen war es stets, auch das Sperrige und Widerständige stehen zu lassen, nicht eilig glatt zu bügeln, weil nicht das nur leicht eingängige, bequeme, immer richtig sein kann. So fährt auch Jesus durchaus nicht angenehm für seine Zuhörer und für uns heutige fort:
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Dies domini – 24. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A
Vor wenigen Tagen berichteten die Medien vom „Bibelstellen-Ping-Pong“, mit denen sich einige Bischöfe im Zuge des Synodalen Wegs mit der jüngsten Pastoralinstruktion aus Rom „auf Proseminar-Niveau“ beschäftigt hätten. Solche Bibelstellen-Verwendung zur Untermauerung eigener Ansichten ist beliebt: vor einigen Wochen schilderte ein Leser der Kölner Kirchenzeitung in einem Leserbrief die Wirren und Unklarheiten, die sich daraus ergäben, dass im Neuen Testament gelegentlich von den Brüdern und Schwestern des Herrn die Rede sei, wo doch die unfehlbare Lehre der Kirche von der einzigartigen und immerwährenden Jungfräulichkeit der Gottesmutter spreche. Man sehe aber doch an Johannes 19, 25ff, dass Jesus keine Geschwister gehabt haben könne, da er doch sonst keinen Anlass gehabt hätte, Maria Johannes anzuvertrauen. Schon bald äußerte ein weiterer aufmerksamer Leser seine Befriedigung, dass nun für ihn auch dieser letzte Zweifel an der immerwährenden Vertrauenswürdigkeit der unfehlbaren Lehre der heiligen Kirche „Gott sei Dank“ ausgeräumt sei. Ja, wer seine Weltanschauung für ein filigranes, gleichsam gotisch-kristallines Weltgebäude ansieht, der muss natürlich fürchten, dass ihm eine Fiale aus dem himmlischen Jerusalem auf den Kopf fällt, wenn einer kommt, ihm einen kleinen Stein aus seinem Gewölbe der Ideen herauszubrechen. Dass diese Schlussfolgerung aus den Worten Jesu am Kreuz zu Johannes und seiner Mutter nicht zulässig ist, weil der Evangelist nicht über die Familienverhältnisse Jesu Auskunft erteilen will, ergibt sich schon im Umkehrschluss, weil ja sonst Johannes mutterlos sein müsste, um sich als der Sohn Mariens um sie zu sorgen. Schließlich spricht der Vers auch vom Anvertrauen Johannes’ an Maria. Diese These hat aber bisher wohl noch niemand vertreten.
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Dies Domini – 5. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A
Manch eine Beziehung leidet unter der zur Gewohnheit gewordenen Vertrautheit. Jede Geste, jedes Wort wird vorhersehbar. So braucht man einander gar nicht mehr wahrzunehmen oder zuzuhören. Man weiß doch, wie es ausgeht. Aus vollstem Vertrauen entsteht das Gefühl der Langeweile. Manch einer Liebe, die abenteuerlich begann, blüht in Ödnis. Weil die Vertrautheit keine Verheißung mehr bereit hält, geht dann manch einer auf der Suche nach Leben seine eigenen Wege.
Wer dieser Falle entgehen möchte, darf das Vertraute eben nicht zur Gewohnheit werden lassen. Das Vertraute immer neu zu entdecken die Herausforderung. Das Vertraute mit unvertrauten Augen anzusehen, so als würde man es eben zum ersten Mal sehen, die Aufgabe.
Es gibt nicht nur Menschen, die der Ödnis der Vertrautheit erliegen. Auch Texte teilen dieses Schicksal. Wie ein Reflex weiß man schon nach wenigen Worten, worum es geht. „Hat der alte Hexenmeister …“ – und schon klingt im Ohr „Walle! Walle!“ Und auch wenn manch einer bei Herrn Ribbeck an einen sakkotragenden Fußballtrainer denkt, die Birne werden viele trotzdem nicht aus dem Kopf bekommen.
Zu den Texten, bei denen man im allgemeinen schon weiß, worum es geht, gehört auch die erste Lesung vom 5. Sonntag der Osterzeit im Lesejahr A. Es ist ein Text, der nicht nur dem Schicksal der Vertrautheit anheim fällt; auch die traditionelle Interpretation verhindert, ihn genauer zu betrachten, weil doch eigentlich schon alles bekannt ist. Es ist der Text von der Wahl der Sieben, die landläufig als die sieben Diakone beschrieben werden. Und genau an diesem Punkt erliegt der Leser bzw. die Hörerin dem Gift der Gewohnheit, mit dem man versucht, den Text zu zähmen.
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Hangout On Air zur Glaubensinformation am 13. November 2013
Leider hat es einige Verbindungsabbrüche während der Übertragung geben, die wir nicht beeinflussen konnten. Wir bitten das zu entschuldigen.
Live aus dem Katholischen Stadthaus in Wuppertal. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Der Referent ist Dr. Werner Kleine, Pastoralreferent der Katholischen Citykirche Wuppertal.
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Hangout On Air zur Glaubensinformation am 17. Juli 2013
Live aus dem Katholischen Stadthaus in Wuppertal. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Der Referent ist Dr. Werner Kleine, Pastoralreferent der Katholischen Citykirche Wuppertal.
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