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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Pfingstsonntag, Lesejahr C

Es sind chaotische Zeiten. In der Gesellschaft, aber auch in der Kirche scheint gegenwärtig alles aus den Fugen zu geraten. Das Gewohnte ist so gewöhnlich geworden, dass der Mensch sich weder hier noch dort in der Lage sieht, die Herausforderungen zu bewältigen. Unzweifelhaft erleben wir gerade eine Zeitenwende. Sehnte man sich etwa am Anfang der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 noch nach einer raschen Rückkehr zu jenem Zustand, den man damals als „Normalität“ bezeichnete, ist spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine genau das in weite Ferne gerückt. Die frühere „Normalität“ ist Geschichte. Nichts ist mehr normal in der Gegenwart – auch in einer Kirche, in der das Volk Gottes sich endlich ermächtigt, die Stimme zu erheben. Wo früher die Worte jener Männer, die sich als Hirten wähnten, hingenommen wurden, werden nun Fragen gestellt. Noch ist unklar, ob die vielfältigen Initiativen und Aufbrüche wirklich zu neuen Zielen führen. Noch ist die rechtliche Struktur der Kirche so, dass ohne das Placet Roms nichts geschieht. Schon seit längerem ist klar, dass die alte Regel des „Roma locuta, causa finita est“ nicht mehr gilt: Rom mag sprechen, die strittigen Angelegenheiten sind damit noch lange nicht erledigt. Das Volk ist eben keine Herde mehr, die blind-blökend folgt und zufrieden ist, solange nur die pastoralen Weidegründe sattes und wohliges Gras versprechen. Das Volk ist mündig geworden. Es blökt nicht mehr, es fordert. Das ist Pfingsten, wenn aus Schülern und Jüngerinnen mündige Zeuginnen und Zeugen werden. Sooft der Stifterwille bemüht wird, wo die Schrift keinen Stifterwillen kennt – hier gibt es ihn und die Zeit scheint erfüllt in der der Auftrag des Auferstandenen Wirklichkeit wird:

Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. (Apg 1,8)

Die Kraft des Heiligen Geistes – sie wird immer gerne beschworen, wenn es schwierig wird. Sie muss herhalten als autoritäre Begründung lehramtlicher Entscheidungen, aus der heraus Argumente überflüssig sind. Sie muss es dulden, selbst von jenen immer wieder in Anspruch genommen zu werden, die eine besondere Weihecharisma zu haben glauben, durch das der göttliche Geist beständig durch sie wirkt. Kritik ist dann nicht nur nutzlos, sondern wird gemäß der neunten Seligpreisung sogar als Ausweis der eigenen Erwählung gedeutet, heißt es doch im Anschluss an die berühmten ersten acht Seligpreisungen:


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kath 2:30 Dies DominiWunder sind des Glaubens liebstes Kind … und des Zweiflers auch. Was für die einen ein vordergründiger Ausweis göttlichen Wirkens in der Welt ist, ist für die anderen, die mit unverhohlenem Stolz auf die vermeintliche Aufgeklärtheit ihrer Vernunft verweisen, geradezu der Ausweis der Unvernunft des Glaubens. Letztere begründen also mit der vermeintlichen Unvernunft der Wunder, die eigenen Zweifel, währende Erstere ihren Glauben in den Wundern erwiesen sehen. Das ist vor allem an einem Fest wie Christi Himmelfahrt, das Christen am vergangenen Donnerstag feiern, der Fall: Dort wird doch verkündet, dass der auferstandene Jesus vor den Augen seiner Jünger emporgehoben, von einer Wolke aufgenommen und ihren Blicken entzogen wurde (vgl. Apg 1,9). Fast hat man den Eindruck, noch die Fußabdrücke der Sandalen des zum Himmel aufgefahrenen Jesus sehen zu können. Für die einen ein Ausdruck der Göttlichkeit Jesu, für die anderen ein nachgerade lächerliches Märchen, über das man vernunftstolz lacht. Wie aber halten sie es mit dem Glauben? Was glauben Sie denn?

Beiden, den naiv Glaubenden und den vorschnell Skeptischen, ist eine merkwürdige Zweifellosigkeit zu eigen. Beide bleiben aber nur an der Oberfläche und lassen sich vom Schein des vermeintlich Außergewöhnlichen blenden. Beide bauen auf diesem dünnen Eis eigene Luftschlösser. Sie ähneln darin den Jüngern, die zum Himmel emporschauen. Beide sehen Wolken. Die einen wähnen Jesus im Nebel, die anderen sehen natürlich nichts. Das ist schon in der Bibel so. Nachdem Jesus von der Bildfläche verschwindet, heißt es dort:


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Sechster Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C

Man wird vermutlich auf einen breiten Konsens unter Exegeten, also Kennern des Neuen Testaments, treffen, wenn man behauptet, der vorösterliche Jesus habe mit den Heiden nicht viel im Sinn gehabt.

„Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ (Mt 15,24)

So heißt es bei Matthäus im 15. Kapitel, in dem eine kanaanäische Frau Rabatz macht, damit sie die Aufmerksamkeit Jesu erreicht und sich dann noch wenig schmeichelhafte Vergleiche mit kleinen Hunden anzuhören hat.  Ein Bild, das uns auch bei Lukas im 7. Kapitel begegnet und nahelegt, Jesus lasse sich zwar von individuellem Leid erweichen, halte aber zunächst einmal nicht so sehr viel von Nichtjuden.  

Andererseits dann nach Ostern der Missionsbefehl:

„Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,19)

Und was hatte er geboten:

„Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.“ (Mt 5,18)

Also zwischen dem vorösterlichen Jesus und dem nachösterlichen gibt es da einen recht radikalen Bruch, vom Juden Jesus zum Begründer einer Weltreligion. Wann ist das geschehen? Man hört in der heutigen Lesung davon; es geht um das Apostelkonzil etwa um 48 n.Chr.:


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Vierter Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C

Die Bilder sind brutal. Brutaler ist aber die Ursache, die zu den Bildern führt. In Butscha und vielen anderen Orten in der Ukraine kommt der Tod plötzlich, reißt Menschen vom Fahrrad, reißt sie von den Füßen, reißt sie aus dem Leben. Tagelang liegen die auf der Straße, die als Zivilisten durch eine russische Kugel mitten aus dem Leben gerissen wurden. Sie haben jetzt keine Zeit mehr, ihre Kinder und Kindeskinder aufwachsen zu sehen, Hochzeiten zu feiern, Träume zu verwirklichen, sich am erwachenden Leben im Frühling zu erfreuen. Der Tod ist brutal – brutal sinnlos. Kann es einen Sinn im Sinnlosen geben?

Die Frage ist innerweltlich nicht zu beantworten. Seit Menschengedenken wird nach Antworten gesucht. Eine einfache Rechnung lautet: Wer gut handelt, wird durch Wohlstand, Reichtum und langes Leben belohnt; Krankheit, früher Tod und Armut trifft hingegen die, die schlecht handeln. Dieser sogenannte „Tun-Ergehen-Zusammenhang“ aber scheitert an der Realität. Zu viele Menschen, die ihr Bestes gegeben haben, sterben früh oder scheitern, während manche Gewalttäter durchaus in Wohlstand alt werden. Fromme können krank werden und am Leben und auch an Gott verzweifeln, während Gottlose sich des Lebens freuen. Der „Tun-Ergehen-Zusammenhang“ mag einer einfachen Logik folgen – allein das Leben ist eben nicht logisch. Schon gar nicht, wenn ein Krieg von jemandem entfesselt wird, der der Logik des Rechtes der Stärkeren folgt. Kann es da überhaupt Gerechtigkeit geben?


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kath 2:30 Dies DominiDas Leben ist kein Videospiel. In der virtuellen Illusion können fatale Fehlentscheidungen einfach durch neue Leben kompensiert werden. Im analogen Leben geht das nicht so ohne Weiteres. Wer hier sein Leben verliert, hat keines mehr. Es ist auf ewig ausgelöscht, getilgt, vernichtet. Es gibt dann keine Zeit mehr, die Kindeskinder heranwachsen zu sehen, sich des Lebens zu freuen und die Früchte der eigenen Arbeit zu genießen.

Die deutsche Geschichte ist geprägt von Erfahrungen der sinnlosen Vernichtung von Leben. Der dreißigjährige Krieg verheerte ganze Landschaften, der erste Weltkrieg industrialisierte das Sterben, der zweite Weltkrieg und die Naziherrschaft totalisierten das Töten mit perverser Perfektion. Das kollektive Gedächtnis unserer Gesellschaft hat über Jahrzehnte und Jahrhunderte internalisiert, dass der Tod ein Meister aus Deutschland ist. Der Ruf nach dem „Nie wieder!“, der auch am 8. Mai, dem Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung von der Naziherrschaft, wieder zu hören sein wird, hat hier seinen existentiellen Grund. Dem stimmt man doch gerne zu! Was glauben Sie denn?


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Weisser Sonntag, Lesejahr C

Wir haben nicht viel in den Händen, wenn wir uns selbst einmal ehrlich und rücksichtslos Rechenschaft ablegen über das Fundament unseres Glaubens. Sicher wir haben Erzählungen, Geschichten und Gebete, die uns mit einem unaufhörlichen Strom unendlicher Belege menschlicher Bemühungen, die Beziehung zu einem den Sinn des Lebens garantierenden Gott zu gestalten, verbinden. Wir wissen um die Apostel nach Ostern aus der Apostelgeschichte, wir lesen oder bekommen vorgelesen von Thomas, dem ungläubigen. Und aus noch vergangeneren Zeiten spricht uns das Alte Testament von den Anfängen unseres Gottes mit seinem Volk Israel.

Auch aus den Städten rings um Jerusalem strömten die Leute zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit. Und alle wurden geheilt.“ (Apg 5,16)

„Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott.“ (Joh 20,28)

„So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig; (…)der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.“ (Ps 118,2;22)

Tiefe Gedanken und Formulierungen, die auch durch die stete Wiederholung in den Gottesdiensten ihre Bindungswirkung nicht verfehlten. Aber eben „nicht verfehlten“, also Vergangenheit. Diese Beziehungen und Verknüpfungen, diese meist frühkindlich schon eingeübten Rituale und Gebete, wo sind sie hin? Wer hört sie noch an? In wenigen Jahrzehnten sind diese Prägungen verloren gegangen. Und wer selbst noch regelmäßig zum Gottesdienst geht, dessen Kinder mögen womöglich noch an den Festen und gelegentlich der besonderen Wendepunkte ihres Lebens ihre Beziehung zur Kirche leben, wer diese alltägliche, mindestens allsonntägliche Übung nicht mehr hat, dessen Kinder werden nur schwer in eine selbstverständliche, nur selten in Frage gestellte Gemeindebindung hineinfinden.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Palmsonntag, Lesejahr C

Für manch einen Zeitgenossen scheint der Krieg in der Ukraine eine Art Gesellschaftsspiel zu sein. In Talkshows, den sozialen Medien und an der Wursttheke werden im sicheren Abstand zur echten Gefahr wohlmeinende Ratschläge und Tipps gegeben, wie der Krieg endlich zu beenden sei. Auch selbsternannte Philosophen faseln dann von einer Kapitulation, die das Sterben beenden soll. Allein das Massaker von Butscha aber zeigt, dass eine Kapitulation der Ukraine wohl nicht nur kein Leiden und Sterben verhindern würde; es würde den Aggressor wohl eher noch ermutigen, weitere Staaten anzugreifen. Man darf eben Friedfertigkeit nicht mit Wehrlosigkeit verwechseln.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Vierter Fastensonntag, Lesejahr C

Manche Philosophen gehen davon aus, dass es sich bei der Religion um ein Mittel handelt, mit der der Mensch versucht, Kontingenz zu bewältigen, also Unwägbarkeiten, unglückliche Zufälle, Unglücke und derlei Misshelligkeiten. Denn der Mensch liebt eine gewisse, kontinuierliche Aufwärtsbewegung, aber vor allem Stabilität. Angela Merkel hat so manche Wahl gewonnen: „Sie kennen mich“. Konrad Adenauer hatte es vorgemacht: „Keine Experimente“, die SPD hat es 1965 auch so versucht: „Sicher ist sicher – SPD“.

Hätten Sie gedacht, dass wir uns einmal nach Nikita Chruschtschow sehnen? Was ist das nur für eine Welt geworden? Der Gründer der Zisterzienser, der Hl. Bernhard von Clairvaux sah die Dinge eindeutig: „Im Tod des Heiden sucht der Christ seinen Ruhm“. Der Zisterzienser-Prior von Langwaden vermisst im Ukraine-Konflikt die Stimme der Völkerverständigung und der Mediation. Willy Brandt verhandelte die Entspannungspolitik und hatte dabei zu seiner Unterstützung eine funktionstüchtige Bundeswehr von 500.000 Soldaten, die rund 3 % der Wirtschaftsleistung kosteten. Der heutige Fraktionsvorsitzende der SPD, Herr Mützenich, glaubt, dass nukleare Abschreckung nicht funktioniert, während er gerade selbst durch die Drohung mit Atombomben davor abgeschreckt wird, den unschuldigen Mitmenschen in der Ukraine, denen man gerade ihr Dach über dem Kopf wegbombt, so zu Hilfe zu kommen, wie es notwendig wäre. Wie soll man mit solch einem Durcheinander nur fertig werden, das wirklich nur der große Durcheinanderwerfer, der „Diabolus“ selbst, fertigbringen kann? Da wirkt ja die Religion auch nicht gerade hilfreich, wenn der orthodoxe Metropolit Kyrill seinem KGB-Kumpan Ikonen segnet und der Papst so undeutlich nuschelt, dass selbst das kirchliche Nachrichtenportal „katholisch.de“ seine Initiativen nicht hilfreich findet.


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kath 2:30 Dies DominiDer Krieg ist monströs. Jeder Krieg ist eine Verachtung des Lebens. In der Ukraine wird die Sinnlosigkeit des Krieges mit Wucht vor Augen geführt, wenn Städte, die gestern noch vor Leben strotzten und pulsierten, dem Erdboden gleich gemacht werden. Wofür? Warum? Fragen, die keine Antwort finden und die Ohnmacht nur noch größer erscheinen lassen. Die Folgen des Krieges, den Putin entfesselt hat, sind auch hier spürbar – zumindest scheint es so. Die Mehl- und Sonnenblumenölregale sind leer. Sind das schon Kriegsfolgen? Wohl kaum. Was glauben Sie denn?

Sicher ist die Ukraine ein Hauptexporteur für Weizen und Sonnenblumenkerne – aber die ausbleibende Ernte, die zu spürbaren Einbußen führen würde, findet erst dieses Jahr statt. Die Krise kommt erst noch. Das gilt auch für die Preise für Energieträger, deren Erhöhung nahezu alle betrifft. Noch sind die Lager voll. Noch ist Zeit zu handeln. Und trotzdem ist die existentielle Angst in der Gesellschaft mit Händen greifbar. Hamsterkäufe haben wieder Konjunktur – und verstärken die sich anbahnende Hysterie noch. Der moderne Mensch westlicher Prägung kann mit leeren Regalen kaum leben.


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kath 2:30 Dies DominiDies domini – Zweiter Fastensonntag, Lesejahr C

Wie fragil die Illusion des Friedens ist, zeigt sich in diesen Tagen. Es braucht nur wenig, um einen Krieg mit all seinen Grausamkeiten, Vergewaltigungen, Plünderungen, Leiden und Tod zu entfesseln. Die Sprache ist dabei verräterisch: Wenn ein Krieg entfesselt wird, bedeutet Frieden, dass der Krieg in Ketten gelegt werden muss. Ungefesselt erscheint der Krieg – so jedenfalls die der vertrauten Sprachwendung zugrundeliegende Auffassung – als existentieller Normalzustand. Der Krieg ist triebhaft. Frieden ist nicht einfach die Abwesenheit von Krieg, sondern dessen Zähmung. Zähmung aber ist ein mühsames Unterfangen, eine Haltung, die der steten Wachsamkeit bedarf. Nun aber wurde in der Ukraine wieder einmal ein Krieg entfesselt. Oder waren die Fesseln morsch geworden, weil es denen, nein, weil es auch uns an Wachsamkeit mangelte, die wir uns an den Frieden gewöhnt hatten?

Dem Krieg zu eigen ist das Unverschämte, das stets Fordernde. Hat man je Menschen gesehen, die als Aggressoren Krieg führten und nach dem Sieg zufrieden waren? Die Geschichte ist voll von Feldherren – meist waren es jedenfalls Feldherren und weniger Feldherrinnen –, deren Kriegslüsternheit nicht zu stillen war. Nach dem Sieg ist vor der nächsten Schlacht. Niemand von denen, deren Selbstverständnis vom Siegen abhängt, kann mit dem Frieden leben. Niemand von jenen, die nur im Sieg den Sinn des Seins sehen, will Brücken bauen. Siegen heißt dann Leben. Weil aber der Frieden vom Ausgleich lebt, vom Geben und Nehmen, von der demütigen Selbstbeschränkung um des Respektes dem anderen gegenüber willen, ist er gerade keine Option. Der Krieg verlang nach mehr, nach mehr Siegen, nach mehr Unterwerfung. Der Krieg ist eine Droge. Er macht abhängig. Es gibt keine Zustand der Zufriedenheit. Der Krieg schafft Hass. Wer unterliegt, sinnt auf Rache, wer gewinnt, auf Unterwerfung. So wird es immer weitergehen in Aggression und Satisfaktion bis der Tod die letzte Herrschaft übernimmt – oder jemand kommt, der in der Lage ist, den Krieg wieder in Ketten zu legen. Unschädlich gemacht ist der Krieg auch dann nicht. Er ist nur gefesselt. Um den Krieg zu fesseln, helfen Kerzen und Gebete allein ebenso wenig wie die Beschwörung von Eisen und Steinen, sie mögen von sich aus eine Brücke bauen. Wer den Frieden will, muss sich selbst ermächtigen, ihn auch zu schaffen – und den Krieg zu binden. Der Frieden ist wohl nicht zu haben ohne Schwielen an den Händen …


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