Ist es Trotz oder ist es Mut oder ist es einfach nur normal? Vieles wird heute für mutig gehalten, was eigentlich selbstverständlich ist. Es ist nicht wirklich mutig, mit offenem Visir die eigene Meinung zu sagen, sondern – zumindest in unserem Land – ein grundgesetzlich verbrieftes Recht. Was nicht verbrieft ist, ist Widerspruchslosigkeit. Der Widerspruch ist ja Teil der Meinungsfreiheit jener, die die eigene Sicht nicht teilen. Was glauben Sie denn?
Helmut Schmidt wird die Sentenz zugeschrieben, dass die Demokratie vom Streit lebe. Wenn der Satz wahr ist, dann steht es schlecht um die Demokratie. Nicht nur, dass die sogenannten „sozialen Medien“ dazu beitragen, dass zwar viele ihre sogenannte Meinung herausposaunen und sich dabei hinter Fantasienamen verstecken; auch wird jede noch so banale Meinungsäußerung für ihren vermeintlichen „Mut“ gepriesen. Das mag die Ohren der „Content Creator“ kitzeln und ihre Eitelkeit bedienen. Nur ist nichts daran mutig, seine Meinung zu sagen, wenn sie doch ein verbrieftes Recht ist. Mutig wäre die freie Rede, wenn sie wirklich existentielle Konsequenzen nach sich zöge. Das ist in vielen Ländern der Welt der Fall, wenn Menschen den Mächtigen ins Angesicht hinein trotzen und sich trotz tatsächlicher Gefahr für Leib und Leben nicht mundtot machen lassen. Wer sich hingegen bei bloßer Kritik an seiner Meinung beschwert, dass man ja nichts mehr sagen dürfe, gleicht einem trotzigen Kind in der Quengelzone eines Discounters, dass seinen Willen nicht unwidersprochen erfüllt bekommt.
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