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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Fünfter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Es gab schon bessere Zeiten für die Kirche. Die Austrittszahlen sind zwar signifikant insgesamt zurückgegangen, stagnieren aber im Vergleich zu früheren Jahren auf einem immer noch hohen Niveau. Die Pastoralstrategen versuchen dem mit marketingstrategischen Maßnahmen zu begegnen, als sei sie ein Unternehmen, bei dem man den Auftritt oder das Kommunikationsdesign einfach anders verpacken muss, damit die Menschen wieder kommen. Manch einer gibt sich dann schon damit zufrieden, wenn man den Kirchenraum mal wieder voll hatte – etwa, weil man eine wirklich eindrucksvolle Lichtinstallation oder ein anderes hippes Event dort durchgeführt hatte. All diese Maßnahmen sehen in der Kirche den eigentlichen Zweck; das eigentliche Ziel ist dann, dass die Kirche wieder wächst. Wenn dem so ist, muss man nüchtern konstatieren, dass das Ziel bisher nicht erreicht wurde. Aus dieser Sicht müsste die Kirche ihre spirituelle Insolvenz fürchten.

Tatsächlich liegt diesen ganzen Bemühungen, die immer darin gipfeln, die Kirche nur hipper und moderner zu verpacken, ein Kategorienfehler zugrunde: Ist die Kirche wirklich die Marke, um die es geht? Das Zweite Vatikanische Konzil nimmt da eine andere Perspektive ein, wenn es direkt am Beginn der dogmatischen Konstitution „Lumen gentium“ feststellt:

„Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit. Deshalb möchte sie das Thema der vorausgehenden Konzilien fortführen, ihr Wesen und ihre universale Sendung ihren Gläubigen und aller Welt eingehender erklären.“ (Lumen gentium 1)

Sie ist nicht Zweck, sondern Zeichen und Werkzeug, mithin also eigentlich eine Methode, mit der die Gegenwart Gottes in der Welt erfahrbar gemacht wird. Deshalb wird sie gesandt! Ihre wesentlichen Grundvollzüge sind eben kein Selbstzweck, sondern nach außen gerichtet: Verkündigung – Dienst am Nächsten – Liturgie. Es geht also nicht darum, die Menschen in die Kirche zu führen, sondern ihnen Heil und Leben in Fülle zu ermöglichen. Darin würde die Kirche in der Tat Jesus Christus nachfolgen, der im Evangelium vom fünften Sonntag im Jahreskreis des Lesejahres A spricht:

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Mt 5,13-16)

Das entscheidende pastoralstrategische Wort ist die kleine Partikel „so“ im letzten Vers. Sie markiert, dass das vorhergehende die eigentlich Methode beschreibt: Der Welt leuchten und der Erde Geschmack bringen. Das sind deutlich nach außen gerichtete Perpsektiven. Es geht gerade nicht darum, die Menschen zuvorderst in ein steinernes Haus zu bringen, sondern selbst in die Welt zu gehen und das Licht und Lebensgeschmack zu bringen.

Das Bemerkenswerte an diesen Metaphern ist, dass wenig viel bewirken kann. Es braucht nur wenig Salz, um einer Speise Geschmack zu verleihen und selbst ein kleine Licht kann einen ganzen Raum hell machen. Es geht also gar nicht um die quantitative Masse, sondern um die Qualität: Das Salz darf nicht schal, nicht langweilig sein und das Licht gehört auf einen Scheffel.

Was das konkret bedeutet, wird in den Lesungen des fünften Sonntages im Jahreskreis des Lesejahres A deutlich. In der ersten Lesung ruft der Prophet Jesaja zu tatkräftiger Nächstenliebe und Solidarität auf. Gottes Liebe wird sichtbar, wenn die, die sich auf diesen Gott berufen, seine Liebe tatkräftig umsetzen. Wer auch immer Christus berührbar machen will, muss sich berührbar machen. Da helfen eben keine glänzenden Reden oder gelehrten Weisheiten, wie Paulus in der zweiten Lesung feststellt, sondern die Verkündigung des Geheimnisses Gottes. Wenn das nicht mit klugen Worten geschehen soll, meint auch Paulus hier die engagierte Tat.

Der Glaube ist offenkundig ein Tatwort. Wer glaubt, handelt in der Welt – primär um das nahe Reich Gottes Wirklichkeit werden zu lassen, weniger um die Kirchen voller zu bekommen. Das ist sicher durchaus auch wünschenswert, aber eben nicht der primäre Zweck. Die Kirche ist dazu da, auch wenn sie kleiner wird, diese Liebe Gottes in der Tat – und zur Not auch mit Worten – sicht- und erfahrbar zu machen. Dann ist sie wie der Sauerteig, der die ganze Welt durchsäuert.

In der Tat stellt auch Papst Paul VI 1975 in seiner wegweisenden Enzyklika Evanglii nuntiandi über die Evangelisierung der Welt fest, dass das sogenannte „Zeugnis ohne Worte“ der erste Schritt jeder Verkündigung ist. Erst wenn dieses Zeugnis Fragen weckt, sollen die Fragen mit einer ausdrücklichen Verkündigung beantwortet werden. Vielleicht führt das bei dem Gegenüber zur Zustimmung des Herzens und sogar zu einem Eintritt in eine Gemeinschaft von Glaubenden, die möglicherweise sogar zeichenhaft besiegelt wird. Die, die so die Kirche bereichern, werden aber selbst wieder gesandt werden, um in der Tat dem Glauben Gestalt zu geben.

Es wird wirklich Zeit für eine Rückbesinnung auf den Auftrag Jesu. Bevor man die Menschen tauft, muss man in die Welt gehen und allen Geschöpfen überall das Evangelium verkünden – mit Worten, vor allem aber mit der Tat. Wie sonst soll das Licht des Evangeliums in der Welt leuchten, wenn man es nur in Kirchen anzündet. Das wäre, als würde man einen Scheffel über das Licht stülpen …

Dr. Werner Kleine

Author: Dr. Werner Kleine

Dr. Werner Kleine ist katholischer Theologe und Initiator der Katholischen Citykirche Wuppertal. Er tritt für eine Theologie ein, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht.

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