Herzlich Willkommen bei kath 2:30, dem Blog der Katholischen Citykirche Wuppertal.
Hier geht es zum Videopodcast von kath 2:30.
Besuchen Sie auch die Mystagogische Kirchenführung.
Oder die Seite des Heiligen Laurentius, unter Stadtpatron Wuppertal.

kath 2:30 Dies DominiViele Worte bringen noch keine Taten hervor. Die Nordbahntrasse etwa wäre ohne die Macher immer noch eine stillgelegte Bahnstrecke, die hinter wuchernden Dornenhecken ihren Dornröschenschlaf schlummern würde. Für viele ist mit ihr der Name des Machers Dr. Carsten Gerhardt verbunden. Allerdings hätte er das Trassenprojekt nicht ohne die machtvolle Unterstützung der vielen durchführen können, deren Namen nicht bekannt sind – und das sind neben den vielen Ehrenamtlichen vor allem auch die Leute vom „Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekt Nordbahntrasse / Rheinische Strecke“ des Wichernhauses. Was glauben Sie denn?

Für römische Katholiken wurde die Machtfrage jetzt wieder auf dem sogenannten „synodalen Weg“ diskutiert. Macht – so scheint es – kulminiert in der römisch-katholischen Kirche vor allem bei den Klerikern. Tatsächlich repräsentiert vor allem das Kollegium der Bischöfe nach römisch-katholischer Auffassung die Gemeinschaft der zwölf Apostel. Sie stehen durch die Bischofsweihe in der „apostolischen Sukzession“: Durch Handauflegung und Gebet empfangen sie die apostolische Vollmacht, das Evangelium in Wort und Tat zu verkünden. Bereits im Neuen Testament heißt es:


0 Kommentare

kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Mit deutlichen Worten hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, zu Beginn der Herbstversammlung der deutschen Bischöfe diese zu einem neuen Denken aufgefordert und zur Illustration eine Begegnung geschildert, bei der ihn bei einem Spaziergang in der Mittagspause von Passanten und wirklich en passant die Frage erreichte: Na, wollen Sie uns von unseren Sünden erlösen? Ein bisschen spöttisch und eher mitleidsvoll gefragt. Der Bischof zieht daraus den Schluss, man, also sozusagen Kirche und Gesellschaft, laufe wohl im wahrsten Sinn des Wortes aneinander vorbei. Wohl wahr. Aber ist diese Folgerung nicht auch ein wenig kurz gesprungen? Ging es dem Passantenpaar um „Erlösung“ überhaupt? Um Sünde, eigene oder die der Kirche? Ich befürchte, die Differenz geht tiefer als bloß um kirchliches Image und die Notwendigkeit nicht selbst als Erlöser, sondern als Kirche großer und kleiner Sünder wahrgenommen zu werden.

Es geht darum, dass der Zeitgenosse von heute wohl kaum die Frage nach der Erlösung im Kontext der Erbsündenlehre stellt, weil er sich selbst gar nicht als Sünder und erlösungsbedürftig wahrnimmt. Die Frage Martin Luthers nach einem gnädigen Gott ist nicht mehr die Frage unserer Mitmenschen. Warum sollte ich den Schöpfer als anzubetendes und um Erlösung anzuflehendes Gegenüber ansehen, wenn der doch selbst, so es ihn gibt, als Verursacher aller menschlichen Dilemmata anzusehen ist. Wir können doch heute die Diskrepanz zwischen der postulierten Allmacht und Allgüte Gottes und die Erfahrung der Schlechtigkeit der Schöpfung in vielen Aspekten nicht mehr dadurch auflösen, dass wir sie den Menschen und ihrer angeblichen Erbsünde in die Schuhe schieben. Wer käme heute auf den Gedanken, es noch als vernünftig anzusehen, das Erdbeben von Lissabon 1755 dem Menschen anzulasten, wenn eine Stadt fast ganz zerstört wird und die verbliebenen Menschen sich am folgenden Tag zu einem Tedeum in der einzig stehengebliebenen Kathedrale zusammenfinden, die dann über ihnen einstürzt. Das wäre mehr als zynisch. Und für die Toten des Hochwassers an der Ahr ist wohl kaum der vielleicht zu spät warnende Landrat verantwortlich, sondern in erster Linie der, der diese Wassermassen völlig unverschuldet und unvorhersehbar in menschliche Siedlungen hat laufen lassen. An manchen Katastrophen wird der Mensch beteiligt sein, vieles macht die Natur aber auch ganz allein. Der Mensch von heute empfindet sich womöglich als ohnmächtig und blickt angstvoll in die Zukunft. Erlösung durch die Befreiung von seiner Sündenlast verspricht er sich nicht.


0 Kommentare