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kath 2:30 Dies DominiDies domini – Zweiter Adventssonntag, Lesejahr C

Lässt man die Lesungen des heutigen zweiten Adventssonntages unvoreingenommen auf sich wirken, so scheinen sie dem komfortablen Straßenbau verpflichtet:

„Denn Gott hat befohlen: Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land, sodass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann.“ (Bar 5,7f.)

So heißt es bei Baruch und das Evangelium setzt gleich noch einen drauf:

„Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.“ (Lk 3,4f.)

Man bräuchte schon Garten- und Landschaftsbauer vom Format eines Capability Brown, um diese Aufforderungen erfüllen zu können. Allerdings wäre das Ergebnis womöglich ebenso bewunderungswürdig, die Parks von Blenheim Palace und dem Landsitz der Familie Crawley, Highclere Castle alias Downton Abbey sprechen beispielhaft für sich.

Allerdings geht es in den Lesungen ja nicht um eine Augenweide für wohlhabende, englische Aristokraten, sondern um die Wegbereitung für Israel und den Herrn selbst, für den sich der Rufer in der Wüste, Johannes, so wortmächtig einsetzt. Trotzdem kann vielleicht dieser Blick auf die natürliche Umwelt, unsere Städte, Parks und Landschaften uns dabei helfen, den Sinn der Adventszeit für uns umzusetzen: Diese vielfältigen Bezüge wahrzunehmen zwischen den Bewohnern und ihrer Art und Weise, sich ihre Umwelt selbst zu gestalten und uns in demselben Bereich, unsere Mitmenschen, Nachbarn, anderen Verkehrsteilnehmer, aber auch die Natur, die Häuser, die Straßen, die unglaubliche Infrastruktur, die für unsere Lebensweise erforderlich ist, wie ein riesiger Ameisenhaufen. Myriaden von Notwendigkeiten wie in unserem Alltag. Die täglichen Verrichtungen im Haushalt, die Sorge für die Kinder, die Arbeit, die Begegnungen mit Freunden, Sport, Konsum, Fernsehen und andere Medien: überall von morgens früh bis abends spät Anforderungen, Notwendigkeiten, Aufgaben. Wir mittendrin als Erfüllungsgehilfen unserer to-do-Listen.


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kath 2:30 Dies DominiDies domini – Hochfest Christkönig, Lesejahr B

Die Wahrheit liege im Auge des Betrachters – so jedenfalls weiß es der Volksmund. Sicher ist es nicht so, dass alles, was das Volk als so von sich gibt, von sich aus schon wahr wäre. Wahrheit ergibt sich ebenso wenig aus Mehrheitsbeschlüssen, wie wissenschaftlich Erkenntnisse aus demokratischen Prozessen hervorgehen. Nicht die Mehrheit bestimmt, was wahr ist; vielmehr versammelt sich im Laufe der Zeit die Mehrheit – oder, wie manche heutzutage abfällig bemerken, der Mainstream – hinter der Wahrheit, die sich schlussendlich als evident erweist. Sicher kann kein Zweifel daran bestehen, dass bisweilen hart um die Wahrheit gerungen werden muss. Sie ist an sich von flüchtigem Wesen. Man kann sie nicht einfach besitzen und für sich exklusiv in Anspruch nehmen. Was wahr ist muss zu guter Letzt eben auch wirklich sein, eben evident. Die Wirklichkeit ist der Lakmustest jeder behaupteten Wahrheit. Eine Wahrheit, die den Wirklichkeitstest nicht besteht, ist eine Chimäre, ein Scheingebilde, das bestenfalls innerhalb abgeschlossener Systeme funktioniert, nicht aber darüber hinaus.

Nun vertritt gerade die Kirche den Anspruch, für die Wahrheit zu stehen. Damit geht ein Anspruch daher, im Besitz der sogar absoluten Wahrheit zu sein. Kann das aber überhaupt gehen? Kann ein Mensch überhaupt die Wahrheit erfassen? Gesetzt den Fall, Gott ist – und schon hier muss die Einschränkung erlaubt sein, dass das Axiom, die Grundannahme, Gott sei, eben ebensowenig bewiesen werden kann, wie die Grundannahme, er sei nicht –, dann wäre der eine und wahre Gott so etwas wie die absolute Wahrheit. Wäre also ein Mensch in der Lage, diesen Gott in seiner Ganzheit zu fassen? Wäre das möglich, so wäre dieser Mensch größer als Gott und Gott wäre nicht der, als der er geglaubt wird. Weil Gott Gott ist, ist er nicht nur nicht zur Gänze erfassbar. Er ist für Menschen an sich nicht zugänglich, seine Größe überwältigt den Menschen. Davon spricht nicht nur die uralte, auf Mose zurückgehende Erkenntnis, dass Gott für Lebende nicht zu schauen ist, wenn dieser dem Mose auf dessen Wunsch, doch die Herrlichkeit Gottes zu sehen, antwortet:


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kath 2:30 Dies DominiDer menschliche Geist ist auf vielfältige Weise abgründig. Das mag daran liegen, dass in ihm stetig widerstreitende Kräfte am Werk sind. Soll man mutig zur Tat schreiten? Das kann bemerkenswerte Innovationen bewirken, aber auch dazu führen, dass man Kopf und Kragen riskiert. Die BUGA ist da ein bemerkenswertes Beispiel. Wenn sie kommt (Wenn!), dann wird man erst im Nachhinein erkennen, ob die vielen Versprechungen Verheißungen oder Verführungen waren.

Der menschliche Geist wird aber auch von der eigenen Befindlichkeit regiert. Natürlich macht es zufrieden, anderen zu helfen; den meisten ist jedoch das eigene Hemd näher als die Hose der anderen. Die Beantwortung Frage, ob man sich nun gegen das Corona-Virus impfen lassen soll oder nicht, hat so längst den Pfad der Rationalität verlassen. Im Unterholz der Bedürfnisse verirren sich die einen wie die anderen. Alle wollen, dass es endlich aufhört. Während die einen dafür aber eine Impfpflicht fordern, tönen die anderen, dass alle sich stets testen lassen sollen. Ohne eine Verpflichtung für alle wird es also so oder so nicht gehen. Wen interessieren schon Fakten, wenn es die Fiktion eines Mittelpunktes gibt, in dem man sich wähnt. Was für ein Irrtum! Sie glauben, Sie seien der Mittelpunkt der Welt. Wie unverschämt – das bin doch ich! Was glauben Sie denn?


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 32. Sonntag im Jahreskreis, Lesjahr B

Hört man den Lesungen unseres Sonntags aufmerksam zu, so singen sie das Hohelied der Unvernunft. Es fängt schon mit der ersten Lesung an: Der Prophet Elija spricht eine völlig verarmte Witwe an und erwartet ein selbstgebackenes Brot von ihr. Das lehnt sie ab, weil sie selbst nichts mehr hat und aus der Handvoll Mehl und einem wenig Öl, das noch da ist, ihrem Kind und sich selbst die letzten Bissen zubereiten will, bevor sie verhungert. Ja, ja, meint der Prophet, mach das, aber

„mache zuerst ein kleines Gebäck für mich und bring es zu mir heraus.“ (1 Kön 17,13)

Unverschämt von dem Kerl, einer armen Witwe noch den letzten Brotkrumen abzuverlangen. Trotzdem tut sie wie verlangt und der Erfolg?

„So spricht der Herr, der Gott Israels: Der Mehltopf wird nicht leerwerden und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet.“ (1 Kön 17,14)

Und so geschieht es. Märchenhaft, aber leider auch recht unglaubwürdig.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 30. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Die Texte des heutigen Sonntags können gelesen werden als Handlungsanweisung für Seelsorgerinnen und Seelsorger im Gesamten aber auch die Priester im Speziellen.

Jeder Hohepriester wird aus den Menschen genommen und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott. (Hebr 5,1)


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kath 2:30 Dies DominiDie Freiheit ist billig geworden. Wenigstens scheint es so, wenn man die Diskussion um die Corona-Pandemie verfolgt. Deren Ende wird mit „Freedom Days“ gefeiert. Dann fallen die Masken, man verzichtet wieder auf Abstand (hoffentlich nicht auch auf den Anstand) und braucht endlich nicht mehr Hände waschen. Für manch einen scheinen das der bisher größte Freiheitsentzug des Lebens gewesen zu sein. Sicher: die Lockdowns haben vor allem für die Kreativen und Gastronomen herbe Einschränkungen und Verluste mit sich gebracht. Trotzdem konnte man sich frei bewegen, reden, seine Meinung äußern und sich – gerichtlich festgestellt – frei versammeln. Schon die kleinste Vorschrift, die zum gegenseitigen Schutz erlassen wurde, brachte aber bei manchen ein großes Protestbedürfnis zum Vorschein, das freilich frei und ungezwungen zum Ausdruck gebracht wurde. Was glauben Sie denn?

Viele erwarten jedenfalls die viel beschworene „Rückkehr zur Normalität“. Zwar weiß niemand so genau, wie „Normalität“ definiert ist. Sicher ist nur, dass man seine Freiheit wiederhaben möchte. Die Freiheit scheint eine Art Besitz geworden zu sein. Deshalb monieren ja viele, man hätte ihnen in den pandemischen Zeiten etwas gestohlen, was jetzt wieder restituiert, also wiederhergestellt werden soll. Dabei wird gerne übersehen, dass Vergangenes nicht wiederkommt. Wir können die Vergangenheit nicht wiederherstellen. Die, die am lautesten nach der Wiederherstellung ihrer geraubten Freiheit rufen, vergessen, dass etwas, das in den Dimensionen von Raum und Zeit im wahrsten Sinn des Wortes vergangen ist, nicht wiedererlangt werden kann. Es wird nicht mehr werden, wie früher. Nie mehr. Ist also alles verloren? Wurde die alte Freiheit wirklich geraubt?


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kath 2:30 Dies DominiDies domini – 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Geld verdirbt den Charakter. So vermutet es jedenfalls der Volksmund. Schaut man auf die jüngere Vergangenheit, so scheint er jedenfalls Recht zu behalten. Ob es die eigennützigen Maskendeals ehemaliger CDU-Abgeordneter sind, die Cum-Ex- und Wirecard-Netzwerke, die bis in die Politik hineinreichen oder jetzt, ganz aktuell, der – so darf man es nun tatsächlich sagen – ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz sind. Das junge Idol der Konservativen sieht sich offenkundig mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Geld regiert eben die Welt … oder etwa nicht?


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kath 2:30 Dies DominiDie Tage sind kurz geworden. Der Herbst führt dem Menschen seine Zeitgebundenheit vor Augen. Dem Aufbrechen des Lebens im Frühjahr folgen die Sommermonate, in denen dieses Leben pulsiert. Nach den Ferien, Festen und Feiern an Tagen, an denen es lange hell ist, fällt die immer früher hereinbrechende Dunkelheit umso stärker auf. Die welkenden Blätter und kahler werdenden Bäume sind Teil des jährlichen Kreislaufes. Sie sind aber eben auch Zeichen einer Vergänglichkeit, der der Mensch nicht fliehen kann. Im Kreislauf des Lebens vollzieht sich ein unaufhaltsam lineares Älterwerden. Sicher: Im nächsten Jahr wird ein neuer Frühling sein. Die Früchte dieses Jahres aber sind vergangen. So ist es auch mit den Menschen: Ausgespannt zwischen Geburt und Tod pulsiert der Hauch des Lebens. Vorher und nachher aber hat er keine Zeit mehr. Was glauben Sie denn?

Das Leben pulsiert immer schneller – und damit auch die Zeitalter, die der Mensch prägt. Vor drei Millionen Jahren begannen die ersten unserer Vorfahren mit Steinwerkzeugen zu hantieren, vor 300.000 Jahren lernte der Mensch das Feuer zu beherrschen. Vor 30.000 Jahren entwickelte sich die Fähigkeit, mithilfe von Sprache Informationen auszutauschen. Vor 3.000 Jahren begannen Menschen mit der Landwirtschaft die Oberfläche des Planeten Erde zu verändern. Vor 300 Jahren erfand er Maschinen, mit denen er die Kräfte der Natur zu kontrollieren begann. Vor gut 30 Jahren schließlich begann mit der Digitalität das Zeitalter künstlicher Welten. Es ist der Beginn jener virtuellen Ära, in der sich der Mensch zunehmend von der Natur trennt – und das mit fatalen Folgen, denn der Mensch ist dem Wesen nach Teil der Natur. Er kann sie kulturieren. Er kann Wüsten fruchtbar machen, Meere bezwingen, die Elektronen und Protonen in von ihm gewollte Richtungen lenken. All das kann er – aber immer nur um den Preis des Ringens. Letztlich bleibt und ist er Teil der Natur.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Mit deutlichen Worten hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, zu Beginn der Herbstversammlung der deutschen Bischöfe diese zu einem neuen Denken aufgefordert und zur Illustration eine Begegnung geschildert, bei der ihn bei einem Spaziergang in der Mittagspause von Passanten und wirklich en passant die Frage erreichte: Na, wollen Sie uns von unseren Sünden erlösen? Ein bisschen spöttisch und eher mitleidsvoll gefragt. Der Bischof zieht daraus den Schluss, man, also sozusagen Kirche und Gesellschaft, laufe wohl im wahrsten Sinn des Wortes aneinander vorbei. Wohl wahr. Aber ist diese Folgerung nicht auch ein wenig kurz gesprungen? Ging es dem Passantenpaar um „Erlösung“ überhaupt? Um Sünde, eigene oder die der Kirche? Ich befürchte, die Differenz geht tiefer als bloß um kirchliches Image und die Notwendigkeit nicht selbst als Erlöser, sondern als Kirche großer und kleiner Sünder wahrgenommen zu werden.

Es geht darum, dass der Zeitgenosse von heute wohl kaum die Frage nach der Erlösung im Kontext der Erbsündenlehre stellt, weil er sich selbst gar nicht als Sünder und erlösungsbedürftig wahrnimmt. Die Frage Martin Luthers nach einem gnädigen Gott ist nicht mehr die Frage unserer Mitmenschen. Warum sollte ich den Schöpfer als anzubetendes und um Erlösung anzuflehendes Gegenüber ansehen, wenn der doch selbst, so es ihn gibt, als Verursacher aller menschlichen Dilemmata anzusehen ist. Wir können doch heute die Diskrepanz zwischen der postulierten Allmacht und Allgüte Gottes und die Erfahrung der Schlechtigkeit der Schöpfung in vielen Aspekten nicht mehr dadurch auflösen, dass wir sie den Menschen und ihrer angeblichen Erbsünde in die Schuhe schieben. Wer käme heute auf den Gedanken, es noch als vernünftig anzusehen, das Erdbeben von Lissabon 1755 dem Menschen anzulasten, wenn eine Stadt fast ganz zerstört wird und die verbliebenen Menschen sich am folgenden Tag zu einem Tedeum in der einzig stehengebliebenen Kathedrale zusammenfinden, die dann über ihnen einstürzt. Das wäre mehr als zynisch. Und für die Toten des Hochwassers an der Ahr ist wohl kaum der vielleicht zu spät warnende Landrat verantwortlich, sondern in erster Linie der, der diese Wassermassen völlig unverschuldet und unvorhersehbar in menschliche Siedlungen hat laufen lassen. An manchen Katastrophen wird der Mensch beteiligt sein, vieles macht die Natur aber auch ganz allein. Der Mensch von heute empfindet sich womöglich als ohnmächtig und blickt angstvoll in die Zukunft. Erlösung durch die Befreiung von seiner Sündenlast verspricht er sich nicht.


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kath 2:30 Dies DominiDas Kreuz ist eine Last. Was nur soll man am 26. September 2021 wählen? Manch eine wird sich dieser Last schon per Briefwahl entledigt haben und manch einer wird das Kreuz nicht auf sich nehmen wollen, die Verantwortung der Wahl zu übernehmen. Dabei ist es in einer Demokratie, in der alle Macht vom Volk ausgeht, der souveräne Akt schlechthin, zu wählen. Sicher: In Deutschland gibt es in diesem Jahr gut 60 Millionen Wahlberechtigte. Was mag da eine Stimme schon zählen? Viel, wenn man genau hinschaut. Bei der Erststimme, mit der das direkte Mandat eines Wahlkreises vergeben wird, kann schon eine einzige Stimme den Ausschlag geben, denn diejenige Kandidatin bzw. der Kandidat mit den meisten stimmen gewinnt. Es zählt also wirklich jede Stimme. Mit der aber sollte man verantwortlich umgehen.


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