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kath 2:30 Dies DominiDie Freiheit liegt dazwischen. Sie umfasst die Länge jenes Augenblicks der Entscheidung zwischen Reiz und Reaktion. Wer auf Reize nur wie der berühmte pawlowsche Hund reagiert, nimmt sich selbst jene Freiheit, zwischen verschiedenen Wegen der Reaktion zu entscheiden, ja, möglicherweise sogar gar nicht zu reagieren. Die Kommentarspalten der sogenannten „sozialen Medien“ lassen hingegen ahnen, dass bei allzu vielen das Reiz-Reaktions-Schema ungetrübt funktioniert. Die Kunst der Toleranz bleibt dabei auf der Strecke, jene Fähigkeit, den anderen Menschen auch dann zu ertragen (so die wörtliche Bedeutung des lateinischen „tolerare“), selbst wenn er Dinge behauptet, die der eigenen Sichtweise nicht zugänglich sind. Die einfache Frage: „Könnte er oder sie vielleicht doch Recht haben?“ kommt den Wenigsten in den Sinn. Was glauben Sie denn?

Was in der digitalen Welt gang und gäbe ist, breitet sich zunehmend in der analogen Welt aus. Auch hier lässt man sich nicht mehr lumpen und macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Dabei wäre es wichtig, sich diesen Moment Freiheit zu gönnen. Den noch freiheitsliebenden Menschen kann man oft an einem kleinen Laut erkennen – jenem „äh“, mit dem er oder sie sich den Moment Freiheit gönnt, jenen Augenblick, in dem sich entscheidet, welche Richtung der Gedanke und die folgende Handlung nehmen kann. Die, die sich zweifelnd voran stammeln, wissen oder ahnen zumindest, dass ihr Reden und Handeln Folgen hat. Sie wissen um die Kunst des Augenblicks, in dem die Freiheit zu sich selbst kommt.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 19. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

In Zeiten, in denen reflexhafte Reaktionen regieren, braucht es keine Reflexionen. Die Konditionierung tritt an die Stelle des Denkens. Die Last der Vernunft wird von denen genommen, die ihr Handeln schon lange nicht mehr rechtfertigen wollen. Die je aktuelle Emotion tut sich schwer mit verstandesmäßiger Information. Die radikale Reduktion der Komplexität der Wirklichkeit auf selbstkonstruierte Passmuster macht das Leben einfach. Und das ist effizient. Schließlich ist das Gehirn energiehungrig. Wer über ausgeprägte Reflexe verfügt, kann hier seinen Energiehaushalt schonen.

Den Drang zu dieser besonderen Art, Energie zu sparen, kann man gegenwärtig wieder hervorragend beobachten. Die sogenannten sozialen Netzwerke entpuppen sich dabei als Orte menschlicher Selbstoffenbarung. Wer die Kommentare unter den Meldungen liest, wird sich schnell der Illusion, der Mensch sei die Krone der Schöpfung, begabt mit Verstand und Selbstbewusstsein, die ihn vom Tier unterscheiden, entledigen. Vielmehr scheinen Facebook, Twitter und Co. ein riesiges Labor zu sein, in dem die ehemals mit Hunden durchgeführten pawlow’schen Reiz-Reaktions-Experimente nun in globalem Ausmaß an Menschen durchgeführt werden. Und wie Pawlow seinerzeit den Hund durch bloßes Läuten eines Glöckchens zum Sabbern brachte, weil dieser durch das Geräusch auf Futtergabe konditioniert war, so reagiert das animal rationale heute noch auf bestimmte Worte mit den immer gleichen Reflexen. Man braucht nur „Flüchtling“ sagen bzw. schreiben – und schon werden in Facebook Fratzen sichtbar, die die Angst vor ihrem eigenen Dasein und dessen Herausforderungen auf andere, die sie nicht kennen, die ihnen nichts nehmen, die ihr Dasein weder schlechter noch besser machen, abwälzen. Wenn es nicht in sich selbst reflexhaft wäre, möchte man ihnen zurufen, doch das eigene ärmliche Dasein mit denen der Flüchtlinge, die es doch angeblich um so viel besser haben, zu tauschen. In diesem längst konditionierten Spiel des kommunikativen Ping-Pongs kommt man nur keinen Schritt weiter.


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