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kath 2:30 Dies DominiZukunft – das ist ein Wort voller Hoffnung und Verheißung. Nicht nur Politiker benutzen es gerne, wenn sie eine Gegenwart flugs kompensieren möchten, die so gar nicht verheißungsvoll ist. Auch Kirchenleute reden gerne von Entwicklungen und Wegen der Zukunft obwohl doch die Gegenwart schon genug Herausforderungen bereithält. Die Zukunft ist eben nie bloß Verheißung; sie ist auch eine hervorragende Gelegenheit für Verantwortungsträger aller Art, sich der Lust der Prokrastination hinzugeben und die drängend anstehenden Aufgaben zugunsten traumwandlerischer Visionen und namhafter Lebensträume auf die lange Bank zu schieben. Was glauben Sie denn?


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 25. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Den Blick fest in die Zukunft gerichtet wird das vor Augen Liegende nur allzu leicht übersehen. Die Christen in Deutschland kennen das – gleich welcher Konfession sie angehören. Seit über 20 Jahren werden verheißungsvolle Zukunftsprojekte ersonnen, Zukunftswege beschritten und eine Zukunft im Heute beschworen. Keines dieser Projekte hat je zu dem Ziel geführt, das in ihnen formuliert wurde. Alle Milieu-Studien waren schneller Makulatur als man die einzelnen Milieus aufzählen konnte. Die Zeit läuft einfach so schnell dahin und die Zukunft ist immer schon so schnell Vergangenheit. Und so zerfließt die Verheißung wie tödlicher Treibsand in zahlreichen Sitzungen, Meetings und Arbeitsgruppen, die auch dann noch in der Ferne Festland suchen, obwohl das Schiff längst auf einer Untiefe aufgelaufen ist. Die Zukunft ist das Opium, mit dem man sich den Herausforderungen des Hier und Jetzt entziehen kann. Der psychedelische Rausch farbenfroher Grafiken, mit dem pastorale Strategien, Entrepreneurships und Gründerinitiativen beschworen werden, ist letztlich aber auch nur ein grauer Star, der den Blick in die Anforderungen der Gegenwart vernebelt. Die Kartoffelgrafik sozialer Milieus entpuppt sich so letztendlich auch nur als pastorale Fata Morgana.

Da ist kein Wechsel des Denkens erkennbar, kein Paradigmenwechsel, kein alter Wein in neuen Schläuchen. Die eingetretenen Pfade verlässt man nicht. Sie sind zu breit und vertraut. Selbst die progressiven Pastoralplaner folgen einer asphaltierten Tradition, wenn sie die Gemeinde zum Vollzug der Kirche erheben. Darin sind sie sich mit dem authentisch-autoritären Vertretern einig. Während Letztere immer noch den Pfarrer als zentrales Moment pastoralen Denkens sehen und um die immer seltener werdende Spezies in reziproker Konsequenz immer größere Pastoralverbünde konstruieren, mit denen sich niemand mehr identifizieren kann, erscheint bei Ersteren die Kirche vor allem aus eine diffusen spirituellen Befindlichkeit zu bestehen, die weder Sakramente noch das Wort Gottes in der Mitte sieht. Im Besten Fall wird dort das Wort Gottes so lange geteilt, bis es jegliche Anforderung verloren hat und den eigenen Bedürfnissen entspricht. So planen sowohl die traditionsbewussten wie die zukunftsorientierten Pastoralstrategen eine Zukunft, die Gottes Unberechenbarkeit nicht vorsieht. Gott hat in den eigenen pastoralen Kram zu passen. Die Warnung des Propheten Jesaja aus der ersten Lesung vom 25. Sonntag im Jahreskreis des Lesejahres A verhallen immer noch ungehört:


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Vierter Fastensonntag, Lesejahr A

Die Krise ist eine Verheißung. Sie fordert Entscheidungsstärke. Wer sich vor der Entscheidung drückt, mag zwar den Standort sichern. Zukünftige Wege aber bleiben ihm, der den sicheren Ort liebt, verborgen. Das Leben aber kennt keinen Stillstand. Es ist Fortschreiten, Fortschritt auf unbekannten Pfaden. Was zurückliegt, ist bekannt, aber vergangen. Was kommt, ist unbekannt, muss aber beschritten werden. Das Jetzt aber ist der Moment, der nicht verweilen kann. Jedes Jetzt wird sofort zur bekannten Vergangenheit. Unfähig, die Gegenwart fixieren zu können, ist der Mensch verdammt zum Fortschreiten in seinem Leben. Wer in der Krise stehen bleibt, hört auf zu leben. Der sichere Ort – sein Name ist „Tod“.

Wissen kann man nur Vergangenes. Zukünftiges kann man erhoffen, ersehnen, erträumen. Das Zukünftige schmeckt nach Leben. Es ist voller Dynamik. Man kann sich vor dem Zukünftigen auch fürchten und ängstigen. Das Unbekannte ist das Nicht-Gewusste. Und das Nicht-Gewusste erscheint dem Menschen unheimlich. Ohne Heim aber ist der Mensch schutzlos. Schutzlosigkeit aber bedeutet Herausforderung, Gefahr, Anstrengung – Leben eben. Der zukunftsfähige Mensch lebt. Leben bedeutet, Zukunft haben.


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