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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 25. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Theologen können wunderbare Sätze bilden: „Gott liebt die Armen, er ist solidarisch mit den Schwachen.“ Das sind Sätze, die so schön anzuhören sind, dass man sie am liebsten einer wertvollen Keramik gleich in eine gut klimatisierte Vitrine stellen mag um sie immer wieder zu bestaunen. Nur berühren darf man sie nicht, denn dann könnten sie Schaden nehmen wie antike Artefakte, die man gut konserviert in Staub und Schlamm und Schlick findet. Solange sie dort verborgen waren, überdauerten sie die Stürme der Zeiten erstaunlich unbeschadet. Den Alltagsschmutz des Lebens aber vertragen die schönen Altertümchen nicht. Man muss sie schnell wegschließen und bestaunen. Nur gucken ist erlaubt, anfassen auf keinen Fall!

Das Wort Gottes ist zwar Fleisch geworden, wie es im Johannesevangelium heißt, und hat sogar unter uns gewohnt (vgl. Johannes 1,14) – aber das scheint schon lange her zu sein. Der Gleichmut jedenfalls, mit dem das Wort Gottes nicht nur in den sonntäglichen Eucharistiefeiern gehört wird, lässt nicht darauf schließen, dass das alte Wort Gottes auch heute noch Gestalt annimmt in den Leserinnen und Hörern der Gegenwart. Man muss schon zugestehen: Es wird ob der ihm zugeschriebenen Heiligkeit verehrt – es ist immerhin das Wort Gottes. Aber genau das scheint gleichzeitig die Schwierigkeit zu sein. Die zugeschriebene Heiligkeit macht das Wort Gottes lebensfern. Es wird entrückt in die himmlischen Sphären. Niemandem fahren wirklich Schrecken noch Freude in die Glieder ob der Verheißungen, die dort vor Generationen zuerst von Mund zu Ohr und von Ohr zu Mund weitergegeben wurden bevor man sie aufschrieb und so in alle Ewigkeit fixierte. Ja, nach der Lesung verkünden Lektorinnen und Lektoren an vielen Orten: „Wort des lebendigen Gottes“. Aber hat das Wort Gottes auch die Hörerinnen und Leser berührt? Oder haben sie es nur dumpf durch das Panzerglas der Heiligkeit vernommen als etwas, das letztlich nicht mehr relevant ist, alt eben, vergangen, bestaunenswert, irgendwie auch schön, aber merkwürdig geistlich unlebendig?


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 6. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Jedem Geheimnis wohnt ein Zauber inne, eine Magie, dessen Energie manchen Geheimnisträger so mitreißt, dass der Mund überfließt, wovon das Herz voll ist. Manche Nachricht verbreitet sich um so schneller, je höher man sie zum Geheimnis stilisiert. Auch Kirche und Politik sind nicht vor der Macht des Geheimnisses gefeit. Und selbst da wo ein Geheimnis tatsächlich geheim bleibt, breiten sich die Gerüchte aus. Die stets gut informierten Kreise zeigen dabei stets aufs Neue, dass Narziss stärker ist als Sokrates: Obwohl sie wissen, dass sie nichts wissen, siegt das Bedürfnis der Selbstdarstellung über das Eingeständnis, eigentlich nicht zum Kreis der auserwählten Entscheidungsträger zu gehören. Und so wähnt sich mancher berufen, bei anstehenden Personalentscheidungen, aus ausgeworfenen Brocken einen Brei angeblich hochbrisanter Interna zusammen zu brauen, der im Innersten immer noch das ist, was er war: Erbrochenes Nichtwissen.

Der geradezu mythische Prototyp dieser Spezies ist Ernie aus der Sesamstraße. Kaum vertraut man ihm ein Geheimnis an, muss er es laut hinausposaunen. Ernie ist der Schutzpatron aller Gerüchteverbreiter und Geheimnisverräter, die nur deshalb vor Verfolgung geschützt sind, weil sie das eigentliche Geheimnis gar nicht kannten. Die Erniesierung von Kirche und Politik selbst allerdings ist mächtig. Noch heute behaupten manche Journalisten standhaft, sie hätten Kenntnis über die Liste der Kandidaten, die für die letzte Wahl zum Kölner Erzbischof in Frage kamen. Man muss sich das klar machen. Die Liste ist nur den Mitgliedern des Domkapitels bekannt, die zum strengsten Schweigen verpflichtet sind. Entweder ist also Ernie Mitglied des Kölner Domkapitels oder einer der Herren ist eidbrüchig geworden, was ihn für das vertrauensvolle Amt sofort diskreditieren würde. Wie könnte man da noch zusammenarbeiten?

Die menschliche Lust am Geheimnis bleibt aber ungebrochen. Wonne- und lustvoll werden hinter vorgehaltener Hand die neuesten Nichtigkeiten ausgetauscht, denn wer eine Geheimnis hat, gehört doch dazu. Wen interessiert es da schon, ob das Geheimnis überhaupt wahr ist. Wen interessiert schon die Wahrheit, wenn man einen interessante Neuigkeit hat?


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Anmerkungen zu Kardinal Meisners Analyse der Kirchlichkeit und Religiosität

Ein kath.de-Wochenkommentar von Theo Hipp (vom 11.9.2009)

kath 2:30 Auf ein Wort LogoFromme Gottlosigkeit wirft Kardinal Meisner unserer Zeit vor. Er beklagt damit die Unfähigkeit vieler Christen, über ihre eigene religiöse Kultur Auskunft zu geben und sie weiter zu vermitteln. Er führt dies zurück auf das fehlende persönliche Erleben unter den Vorzeichen des Glaubens. „Ein Christ“, so der Kardinal, „ kann nur nach außen wirken, wenn er sich nach innen hin dem Geheimnis Gottes genähert hat“. Es braucht die persönliche Erfahrung und Überzeugung, dass der Mensch aus der Beziehung zu Gott Impulse und Orientierung für sein Leben schöpft.


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kath 2:30 Auf ein Wort LogoDie Frage, welche Weise des Kommunionempfangs die Angemessene ist – Hand- oder Mundkommunion – gehört zu den immer wieder sehr emotional diskutierten liturgischen Themen. Nicht selten führt diese Diskussion in starre Grabenkämpfe, in denen sich die Parteien entweder fundamentale Rückwärtsgewandtheit oder aber mangelnde Ehrfurcht vor dem Heiligsten vorwerfen.

Die Handkommunion ist in einigen Ländern erst nach der Liturgiereform 1970 zur allgemein üblichen Praxis geworden, während in anderen Bereichen nach wie vor die Mundkommunion geübt wird.


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