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kath 2:30 Theologie konkretDas Bischofsamt erfreut sich in der Gegenwart einer neuen, bisweilen kritischen Aufmerksamkeit. Dabei ist es für die katholische Lehre von der Kirche (der sogenannten Ekklesiologie) von großer Bedeutung: Insofern die Bischöfe Nachfolger der zwölf Apostel sind, repräsentiert das Bischofskollegium die von Christus eingesetzte Leitung der Kirche.

Konziliare Korrekturen

Der kollegiale Charakter der Kirchenleitung wurde durch das Zweite Vatikanische Konzil neu betont. Damit wurde eine Frage angegangen, deren Klärung notwendig war, nachdem das Erste Vatikanische Konzil 1870 vor allem die Autorität des Papstes und insbesondere das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes definiert hatte: Unfehlbar ist eine Aussage, wenn der Papst ex cathedra spricht, also sein Amt als „Lehrer aller Christen“ ausübt und eine Glaubens- oder Sittenfrage als endgültig entschieden verkündet. Das unfehlbare Lehramt des Papstes wird vom Zweiten Vatikanischen Konzil in der dogmatischen Konstitution Lumen gentium über die Kirche (LG) bestätigt. Das Konzil betont aber, dass es sich „das damals Begonnene fortführend, (…) entschlossen [hat], nun die Lehre von den Bischöfen, den Nachfolgern der Apostel, die mit dem Nachfolger Petri, dem Stellvertreter Christi und sichtbaren Haupt der ganzen Kirche, zusammen das Haus des lebendigen Gottes leiten, vor allen zu bekennen und zu erklären“ (LG 18).

Die Wurzeln

Auch wenn es historisch umstritten ist, ob sich tatsächlich jeder katholische Bischof durch eine Art Weihestammbaum auf einen der zwölf Apostel zurückführen lässt, so beschreibt die Bibel doch, dass die Apostel in den Gemeinden durch Handauflegung und Gebet Älteste bestellten (vgl. Apostelgeschichte 14,23) und diese Praxis von den Ältesten selbst fortgeführt wurde (vgl. Titusbrief 1,5). Offenkundig wurde bereits zu neutestamentlicher Zeit auf diese Weise die Weitergabe von Vollmachten garantiert, welche die Apostel von Jesus Christus erhalten hatten und die nicht jedem zuteil werden.
Dabei handeln die Apostel nicht allein für sich. Der sogenannte Zwölferkreis übte als Ganzes die Autorität aus. Die einzelnen Apostel waren an diesen Kreis zurückgebunden. Dieses Kollegialitätsprinzip bildet sich auch in der Führungsgruppe der zwölf Apostel ab. Es ist eben nicht Petrus allein, der die Apostel leitet, sondern ein Dreierkreis, bestehend aus Petrus, Jakobus und Johannes. Bedenkt man, dass Paulus im Galaterbrief davon berichtet, dass Petrus sich vor den Leuten des Jakobus fürchtet (vgl. Galaterbrief 2,12), dann scheint die Autorität des Jakobus sogar größer gewesen zu sein als die des Petrus.
Wie auch immer: Die heutige Struktur der katholischen Kirche ist das Ergebnis einer historischen Entwicklung, die ihre Wurzeln im Neuen Testament hat. Seit neutestamentlichen Zeiten wird durch Handauflegung und Gebet das apostolische Fundament der Kirche garantiert (die sogenannte apostolische Sukzession).

Zur Kollegialität verdammt

Eine der wichtigsten Aufgaben der Gemeinschaft der Bischöfe ist die authentische Verkündigung des christlichen Glaubens. Keine Generation kann diesen Glauben für sich neu erfinden. Es ist der Glaube an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, der von den Aposteln als Augen- und Ohrenzeugen, die in der unmittelbaren Gemeinschaft mit Jesus gelebt haben, bezeugt wurde. Die Bischöfe als Nachfolger der Apostel garantieren dieses Festhalten an der Lehre der Apostel (vgl. Apostelgeschichte 2,42).
Der Auftrag eines Bischofs ist die Verkündigung in Wort und Tat (vgl. LG 25). Er ist auf das Volk Gottes gerichtet. Ein Bischof kann nicht ohne Volk existieren. Dabei steht er in einer wechselseitigen Beziehung zu den anderen Bischöfen und zum Papst, als dem Bischof von Rom (vg. LG 23). Der einzelne Bischof repräsentiert in seinem Bistum dieses gesamtkirchliche Bischofskollegium.
Die Kollegialität der Bischöfe ist ein hohes Gut. So weiß das Konzil, dass der einzelne Bischof „aus den Menschen genommen und mit Schwachheit behaftet [ist]“ (LG 27). Auch ist er nicht vor Unwissenheit und Irrtum gefeit (vgl. ebd.). Gerade deshalb ist die Rückbindung an das Bischofskollegium wichtig, das eine wichtige Korrekturinstanz ist. Das Konzil geht aber noch weiter. Es empfiehlt dem Bischof, „sich nicht [zu] weigern, seine Untergebenen zu hören“ (ebd.). Das Ziel ist und bleibt der Aufbau des Volkes Gottes. Bischof und Volk, Volk und Bischof – diese weitere kollegiale Verbindung ist für die Kirche unerlässlich, denn ohne Volk kann der Bischof nicht Bischof sein. Eine Herde ohne Hirten gibt es, aber niemals einen Hirten ohne Herde.

Dr. Werner Kleine

Dr. Werner Kleine

Autor: Dr. Werner Kleine

Dr. Werner Kleine ist katholischer Theologe und Initiator der Katholischen Citykirche Wuppertal. Er tritt für eine Theologie ein, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht.

1 Kommentar

  1. Hummel schrieb am 9. Februar 2014 um 09:52 :

    Ein starker Beitrag, den ich mit Gewinn gelesen habe! Gratulation!

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