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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 12. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Immer noch ist Brutzeit. Gebrütet wird in Kirche und Gesellschaft gleichermaßen. Zwischen Balz und Geburt ist sie eine Zeit der Reifung. Ist die Reifung erreicht, bricht das Neue hervor und erobert die nach und nach die Welt. Die Brutzeit ist ein Prozess mit einem klar definierten, schöpferischen Ziel: Neues will, nein: muss das Licht der Welt erblicken. Wehen begleiten die Geburt des Neuen. Keine Veränderung geschieht ohne diesen Schmerz. Eine nie enden wollende Schwangerschaft aber führt zur Vergiftung. Vor allem die nie enden sollenden Schwangerschaften, in denen sich die Kirche der Gegenwart verstrickt, sind hoch toxisch. Das Neue, der Aufbruch wird zwar stets beschworen und soll kommen, wird aber nicht wirklich ersehnt, denn alles soll eigentlich bleiben, wie es ist. So werden die Stuhlkreise der zahlreichen Leitbildprozesse, Zukunftswege und Aufbruchbewegungen zu Kreißsälen ohne Wehen und Neugeborenengeschrei. Die Kirche weiß sich im Brutnest geborgen. Küken sind anstrengend, unberechenbar und werden zudem noch flügge. Besser also tut man so als würde man brüten. Das hält wohlig warm. Wehen aber meidet man lieber, denn der Schmerz des Neuen könnte dann doch etwas ändern.

Der Mangel an Veränderungswilligkeit ist nicht natürlich. Im Gegenteil: Die ganze Natur ist durch ein ständiges Werden und Vergehen geprägt, eine Evolution, die immer wieder sich selbst mutierend Neues hervorbringt, in der Mutation aber eine Treue zum Vergangenen bewahrt. Nichts fällt dort einfach vom Himmel. Jeder Entwicklungsschritt basiert auf etwas Vorhergehendem, das sich fest in die DNA des Neuen einprägt, dort auffindbar ist und so im Neuen selbst weiterwirkt, ja, das Neue selbst prägt. Neues entsteht so immer aus Altem und Bewährtem, das sich aber in das Neue hinein entwickelt. Erfahrungen, Einflüsse, natürliche Veränderungen bedingen diesen evolutionären Anpassungsprozess, ohne den das Alte sich nur als vermeintlich Bewährtes erweisen würde, weil das ehemals Gute in den neuen Herausforderungen dann doch nicht bestehen könnte.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Vierter Fastensonntag, Lesejahr A

Die Krise ist eine Verheißung. Sie fordert Entscheidungsstärke. Wer sich vor der Entscheidung drückt, mag zwar den Standort sichern. Zukünftige Wege aber bleiben ihm, der den sicheren Ort liebt, verborgen. Das Leben aber kennt keinen Stillstand. Es ist Fortschreiten, Fortschritt auf unbekannten Pfaden. Was zurückliegt, ist bekannt, aber vergangen. Was kommt, ist unbekannt, muss aber beschritten werden. Das Jetzt aber ist der Moment, der nicht verweilen kann. Jedes Jetzt wird sofort zur bekannten Vergangenheit. Unfähig, die Gegenwart fixieren zu können, ist der Mensch verdammt zum Fortschreiten in seinem Leben. Wer in der Krise stehen bleibt, hört auf zu leben. Der sichere Ort – sein Name ist „Tod“.

Wissen kann man nur Vergangenes. Zukünftiges kann man erhoffen, ersehnen, erträumen. Das Zukünftige schmeckt nach Leben. Es ist voller Dynamik. Man kann sich vor dem Zukünftigen auch fürchten und ängstigen. Das Unbekannte ist das Nicht-Gewusste. Und das Nicht-Gewusste erscheint dem Menschen unheimlich. Ohne Heim aber ist der Mensch schutzlos. Schutzlosigkeit aber bedeutet Herausforderung, Gefahr, Anstrengung – Leben eben. Der zukunftsfähige Mensch lebt. Leben bedeutet, Zukunft haben.


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