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kath 2:30 Theologie konkret LogoStille Nacht – gestört vom Schrei eines Neugeborenen. So ist das, wenn ein Kind zur Welt kommt. Der erste Atemzug wird – nach Leben gierend – begleitet von einem Schrei. Auch dem, den die Christen als menschgewordenen Sohn Gottes verehren, erging es wohl nicht anders. Ein Schrei ist das erste, was man von diesem Kind vernimmt; ein Schrei, der die Stille der Nacht stört.


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Adventliches im Berliner Plätzchen.

Die Veranstaltung fand am 08. Dezember 2015 im Berliner Plätzchen in Wuppertal-Oberbarmen statt. Es wirken mit: Der Wuppertaler Neutestamentler Dr. Werner Kleine und André Enthöfer an der Klarinette.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Fest der Heiligen Familie/Sonntag in der Weihnachtsoktav, Lesejahr B

Der moderne Mensch hat nicht nur die Natur gezähmt, auch das Heilige hat er sich verfügbar gemacht. Das Heilige konfrontiert nicht mehr, es ist nicht fremd und anstößig, schon gar nicht herausfordern. Das Heilige hat nett und niedlich zu sein; es ist romantisch verklärt. Das Heilige schreckt nicht mehr mit seiner Größe – im Gegenteil! Das Heilige ist schrecklich profan geworden.

Auch die Kirche kann sich offenkundig diesem Trend nur schwer entgegenstellen. Die wilde Unbeherrschbarkeit des Heiligen muss gemäßigt werden. Die Größe Gottes braucht ein handliches Format, damit er in die kleinen Herzen passt, in die sonst der Schreck fahren würde. Der Schrecken der Weihnacht fährt den Hirten auf den Feldern nahe Bethlehem als erste in die Glieder – ausgelöst durch die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes, die Menschen ob ihrer Größe nicht unmittelbar zu schauen können – sich wie im Alten Testament hinter den Engeln verbirgt und doch noch so groß ist, dass sie denen, die sie schauen, nicht Freude, sondern Furcht bereitet.

Fürchtet euch nicht! (Lukas 2,10a)

ist deshalb auch das erste, was die Hirten von den Engeln zu hören bekommen, bevor die eigentliche Freudenbotschaft verkündet wird:

denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.(Lukas 2,10b-12)

Die Botschaft ist bemerkenswert, denn sie verkündet nichts weniger als die Erscheinung Gottes. Das Neugeborene wird als Retter und Messias gekennzeichnet, als der von Gott Gesandte und Gesalbte, auf den ganz Israel wartet. Der kleine Zusatz “der Herr” aber geht weit darüber hinaus. Es ist eine Gottestitulatur, die auf das alttestamentliche Adonai zurückgeht, das die Juden aussprechen, wenn in der Heiligen Schrift der Gottesname JHWH erwähnt wird. Es ist eine Ehrfurchtsgeste. Juden sprechen aus Ehrfurcht vor Gott seinen Namen nicht aus, sondern substituieren ihn – unter anderem und bevorzugt eben durch Adonai – der Herr.

Die Botschaft der Engel lautet also: Gott ist erschienen. Er hat sich in menschlicher Gestalt offenbart. Das untrügliche Zeichen: ein Kind, in Wickeln gewindelt und in einer Krippe liegend.

An dieser Stelle beginnt üblicherweise des Heiligen Zähmung. In zahlreichen Predigten geschieht sie alljährlich wieder. Gott wird ein Kind, als Kind kommt Gott.

In diesen gern gesagten Sätzen, die das Kindchenschema bedienend einen Fürsorgereflex auslösen und die  psychedelisierende Romantik “Stille Nacht, heilige Nacht” erst so richtig zur Geltung bringen, wird allerdings übersehen, dass Gott nicht wird und nicht kommt. Er ist und er ist immer schon da! Genau das ist ja die Bedeutung des Gottesnamens JHWH:


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kath 2:30 Auf ein Wort LogoSie waren anders.
Ganz anders als die heilige Familie in Judäa, Maria, Josef und das Kind.
Sie waren anders, die Weisen aus dem Morgenland, aus dem fernen Babylon, dem heutigen Iran, die einen besonderen Stern sahen und den neugeborenen König suchten.
Sie waren anders – in ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Kultur, ihrer Sprache.
Und sie kamen.
Wenn „ganz andere“ kommen, dann ist das immer wieder eine sehr sensible, kritische Ange-legenheit unter Menschen, nie einfach. Selbst wenn man sich für einen offenen, toleranten Menschen hält. Muss ich mich sorgen um das, was mir wert und wichtig ist, um den Respekt vor meinem Glauben, meiner Lebensweise, um unsere Kultur und Demokratie? Muss ich mich sorgen um meine Sicherheit, meine Heimat, mein Heimatgefühl?
Wenn ganz andere ankommen, dann weckt das Unsicherheit, Ängste, Misstrauen.
Schlechte Erfahrungen mit religiösem Fanatismus in der Welt, sozialen Konflikten, Integrati-onsproblemen, die es ja gibt, nähren Abwehr und Sorge, ja Ablehnung und Hass. Politisch rechte Bewegungen spielen mit diesen Ängsten, schüren sie, nutzen die Unsicherheit aus, mit zutiefst schädlichen und zerstörerischen Folgen.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Erster Adventssonntag, Lesejahr B

Sanfte, wohltuende Klänge schweben durch den Kirchenraum. Die scharfen Kontraste und Konturen werden durch mildes Licht gemildert. Bunte Strahler tauchen das Kirchenschiff in ein mystisches Licht. Gott tut gut – das signalisiert die Wohlfühlatmosphäre. Nichts stört, nichts verstört. “Confitemini domino” klingt es – mehr wispernd gehaucht denn gesungen – vierstimmig gesetzt ohne große Dissonanzen. Arg- und harmlos ist diese Liebe Gottes, vor dem man mit schief gelegtem Haupt knien kann, weil man nicht fürchten muss, dass er die offene Flanke des Halses treffen wird, die doch so verwundbar ist.

Das Glück der so Glaubenden ist mit Händen zu greifen. Die Kirche als Snoezelen-Raum macht das Glauben leicht. So erhebt sich die Seele zu Gott und lässt die bittere Wirklichkeit alleine zurück. Die frohe Botschaft fühlt sich gut an. Nichts ängstigt, nichts trennt. Reine Mystik – oder doch eher frommer Trug?

Der selbstgemachte Glaube liebt den Klang der Harmonie. Er liebt die Endorphine, deren Ausschüttung die fromme Atmosphäre verursacht. Nach diesem Glauben kann man süchtig werden. Aber wie jede Sucht flieht ein solcher Glaube der Wirklichkeit des Lebens.

Die Wirklichkeit des Lebens verträgt keinen heiligen Schein. Die Wirklichkeit des Lebens versagt sich einer oberflächlichen Harmonie. Die Wirklichkeit des Lebens scheint auf in dem Wort Gottes, das sich sperrig in den Weg des Glaubens stellt, so dass die bunte kontrastarme Harmonie ins Wanken gerät und der moderne Mystiker erschrocken zurückweicht: das soll frohe Botschaft sein? – um dann schnell festzustellen: Das ist nicht meins!

Gott hat dem Mystiker zu gehorchen wie weiland dem heiligen Pfarrer von Ars, der in einer Schrift über den Priester mit unverhohlenem Stolz konstatiert:


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kath 2:30 Dies DominiEin Wort zum Advent

Die Advents- und Weihnachtszeit mit ihrer vertrauten Mischung aus Eile und Besinnlichkeit steht wieder bevor. Es gehört mittlerweile wohl zum guten Ton, eine besinnliche Adventszeit anzumahnen – wohl wissend, dass gerade diese Zeit von eilend-freudigen Erwartung geprägt ist. Die vollen Innenstädte, die stressige Suche nach Geschenken und der Glühweinduft – sie alle gehören genauso in die Adventszeit wie der Weihrauch an der Krippe, in der am Heiligen Abend die Menschwerdung Gottes vergegenwärtigt wird. Wenn Gott Mensch wird, dann können wir Menschen nicht still stehen; wenn Gott Mensch wird, dann heißt es zur Krippe zu eilen wie damals in Bethlehem die Hirten. Und an Weihnachten wird die Stadt auch in diesem Jahr den Atem anhalten. Ein selten gekannte Stille wird sich am Heiligen Abend über die Stadt breiten. Es ist, als synchronisiere sich die Gesellschaft der Stadt über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg, um dann nach Weihnachten wieder in den Alltag zu gehen. In dieser Nacht wird Friede sein in Wuppertal.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Zweiter Sonntag nach Weihnachten, Lesejahr A

Dass Weihnachten nicht der Mittelpunkt des Neuen Testamentes ist, lässt sich allein schon an der vergleichsweise mageren Textausbeute ablesen. Während Paulus im Galaterbrief immerhin anmerkt, dass Jesus von einer Frau geboren wurde (Galaterbrief 4,4), kennt das älteste Evangelium, das Markusevangelium, überhaupt keine Weihnachtsgeschichte; es beginnt mit dem Auftreten Johannes des Täufers.

Der Mittelpunkt der neutestamentlichen Botschaft ist die Verkündigung desjenigen, der am Kreuz starb und von den Toten auferstand. Der Kreuzestod galt als unmittelbarer Ausweis der Gottverlassenheit. Keiner, der auch nur annähernd in der Gunst Gottes stand, konnte von Gott der Grausamkeit dieses Todes überlassen werden. Wenn also jemand am Kreuz starb, war in sich zweifelsfrei klar, dass ein solcher von Gott verlassen sein musste. Dass Jesus aber trotzdem von den Toten auferstand, pervertierte diese scheinbar selbstverständliche Sichtweise: Die Auferweckung vom Tode kommt einem Schöpfungsakt gleich, den nur Gott bewirken kann. Der Gottverlassene wird durch einen göttlichen Akt auferweckt. Da stellt sich doch die Frage, ob Gott nicht überhaupt in diesem Jesus wirksam war. Was ist um diesen Mann aus Nazareth?


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Vierter Adventssonntag, Lesejahr A

Die Kirchen werden voll sein! Das ist keine prophetische Utopie, sondern eine auf den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung beruhende Prognose. Sie beruht auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre: Die Kirchen waren immer voll – am Heiligen Abend. Für viele gehört der Besuch einer Christmette zu Weihnachten dazu. Die Ahnung des Heiligen in dieser Nacht ist noch lebendig. Der Gottesfunke glimmt noch. Es braucht eigentlich nicht viel, um das Feuer wieder zu entfachen. Ein zarter Hauch, ein frischer Wind und aus dem kleinen Funken könnte eine Flamme werden.

Das Neue, das an Weihnachten begann, wird allerdings in vielen Weihnachtspredigten mit immer gleichen Worten verkündet. Floskelhaft wird das  Geheimnis der Weihnacht beschworen, das gar nicht mehr so geheim ist, weil alle längst wissen, dass Gott ein wehrloses Kind wurde und bald die Könige kommen, die einem Stern gefolgt sein, einem Stern, dem auch wir folgen sollen, weil wir dann Maria finden werden, die, weil sie “Ja” gesagt hat, das Licht gebracht hat. Der Internetblogger Philipp Greifenstein hat die Fantasielosigkeit weihnachtlicher Prediger treffend in einem Bullshitbingo auf den Punkt gebracht. Statt eines frischen Weihnachtswindes, der die frohe Botschaft neu in die Zeit von heute verkündet, findet man nur allzu häufig den abermals aufgewärmten Eintopf des “Alle Jahre wieder”. Wer so predigt, macht wenig Werbung für den nächsten Kirchenbesuch. Wo immer wieder dasselbe verkündet wird, braucht niemand mehr zu kommen. Man weiß ja doch schon, was gesagt wird.


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Vorweihnacht im Glashaus

Die Veranstaltung fand am 19. Dezember 2013 in Meiers Glashaus am Laurentiusplatz in Wuppertal-Elberfeld statt. Es wirken mit: Rika Eichner (Sopranistin) und Dr. Werner Kleine (Texte und Moderation).
Werner Kleine erzählt die Geschichte vor der Geburt Jesu. Im Mittelpunkt steht Joseph und sein Schicksal, wie es etwa im apokryphen Protevangelium des Jakobus berichtet wird. So entsteht eine neue Perspektive auf das Weihnachtsgeschehen, das aktueller ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Rika Eichner trägt dazu adventliche Lieder vor allem aus der englischen Tradition vor.


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kath 2:30 Dies DominiFamiliendrama mit Lametta unterm Weihnachtsbaum

Haben Sie schon alles für Weihnachten vorbereitet? Steht das Essen fest? Sind die Geschenke eingekauft, bestellt und verpackt? Wissen Sie, welche Lieder gesungen und welche Festtagskleidung Sie tragen werden? Schon geplant, wann Sie die Christ-Mette besuchen und worüber Sie sich nach dem Essen mit der Verwandtschaft streiten können? Haben Sie schon Ihre Waffen gewählt?

Es gibt keine schönere Zeit im Jahr als die Weihnachtszeit. Deshalb haben gescheite Geschäftsleute sie ein wenig ausgedehnt und läuten sie nun schon mit den letzten warmen Sommertagen im August ein. Die ersten kühleren Winde im September bringen ihn dann – den Vorweihnachtsstress. Angeführt wird er von rot bemäntelten Männern aus dunkler Schokolade, manche auch aus Vollmilch.
Der erste Akt des Weihnachtsdramas vollzieht sich noch bedächtig. Gar tückisch, weil fast unbemerkt, steigert er sich bis zum Dezember. Mit dem Aufbau von Punschständen und dem Einsatz von Mandelröstpfannen beginnt der zweite Akt. „Besinnlich“ – das ist schon lange vorbei. Alle scharren mit den Hufen, blasen in heißen Grog und schnauben ins Taschentuch. Dampf steigt auf; von den Maronenständen und dem heißen Atem der Menschen. Leere Augen scannen die prall gefüllten Warenlager auf Geschenketauglichkeit. Bald ist High Noon. Familien rücken sich auf die Pelle. Man zwingt sich zur Besinnlichkeit. Erwartungen prallen auf Realitäten. Bald schon kommt es zum fulminanten Showdown unterm Weihnachtsbaum.


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