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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Erster Fastensonntag, Lesejahr B

Seit dem vergangenen Mittwoch, dem Aschermittwoch, befinden wir uns wieder in der österlichen Bußzeit, oder auch der Fastenzeit. 

„Fasten“ ist – wenn auch nicht im religiösen Sinne – aktuell wieder sehr modern, so befasste sich die Rheinische Post am Dienstag (13.2.2018) auf fast einer ganzen Seite mit dem Thema: Intervallfasten. Also 16/8 (16 Stunden nichts außer Wasser und ungesüßten Tee zu sich nehmen und 8 Stunden normal essen) oder 5/2 bzw. 4/3 Ess- bzw. Fasttage pro Woche. Angeblich tut dies dem Körper gut und entgiftet. 

Könnte dies auch ein Erfolgsrezept für das vor-österliche Fasten sein? 2 Tage die Woche nur für Gott und ihn den Rest der Zeit außen vorlassen? Wohl eher nicht. Gott sollte – nicht religiös verklärt, sondern ganz alltäglich – seinen festen Platz in unserem Leben haben. So wie Valentinstag oder Muttertag nicht die einzigen Tage im Jahr sein sollten, an denen man seinem Partner bzw. seiner Mutter Zuneigung und Dankbarkeit entgegenbringt, sondern der Wertschätzung dieser wichtigen Menschen immer Raum gegeben werden sollte.

Die Vorbereitungszeit auf das Osterfest soll kein Verzicht, sondern ein „Mehr“ sein. So heißt es in einem Artikel auf katholisch.de zum Thema Fastenzeit:


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

David Cameron, der frühere britische Premierminister, hat dieser Tage die Brexitabstimmung als einen Fehler bezeichnet und die FAZ kommentierte dies zu Recht als eine Fehlentscheidung beruhend auf einer völligen Verkennung der Stimmung in der Bevölkerung. Unzweifelhaft haben eine Vielzahl von Faktoren diese unselige Entscheidung hervorgerufen, aber dieser eine Fehler dieses einen führenden Politikers hat eine entscheidende Rolle gespielt. Warum ist das so? Warum können Fehler – oder auch Geistesblitze – eines Einzelnen eine so große Rolle spielen, dass die Lebensumstände vieler Menschen davon berührt werden? 

Wer sich einmal im Vergleich zwischen Christopher Clarks Buch über den Ausbruch des ersten Weltkrieges und der Biographie von Emil Ludwig über Kaiser Wilhelm II. mit der Frage der Verantwortung für diese Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts befasst, steht vor dem unfassbaren Rätsel, dass sicher viele strukturelle Bedingungen und historische Kontingenzen zusammentreffen mussten, dass aber auch eine ganz persönliche, familiäre Charakterprägung des deutschen Kaisers ihren Beitrag leistete, die man nicht hinwegdenken kann, ohne dass auch die Folge des Kriegsausbruchs entfiele. Natürlich ist man nicht Kaiser oder sonst von erheblicher Wichtigkeit, aber diese ungeheure Bedeutung des Einzelnen lässt uns auch ohnedies vor dem Geheimnis erschauern, da doch die Unwiederholbarkeit und Einzigartigkeit jedes Menschen ebenso beeindruckend wie furchterregend ist. 


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Zeit kennt kein Comeback. Sie ist nicht reproduzierbar. Vergangene Zeit ist unwiederbringlich verloren. Zeit ist deshalb ein mehr als wertvolles Gut. Zeit ist Leben und Leben ist Zeit. Jemandem die Zeit zu stehlen ist zwar nicht justiziabel; gleichwohl wird dem so betrogenen Menschen ein Stück seines Lebens genommen. Der scheinbare Überfluss an Zeit ist da nur ein Täuschung.

Einmal verlebte Zeit ist verbraucht. Es ist gerade die Gewissheit des Todes, die früheren Generationen den Wert der Zeit vor Augen führt: Carpe diem – Hüte den Tag, das erweist der Zeit in dem Bewusstsein des memento mori, des „Bedenke, dass du sterben wirst“, eine besondere Ehre. Was jetzt verlebt wird, ist unwiederholbar gelebt, verlebt, genutzt oder verloren. Wer sich dessen bewusst ist, hat keine Zeit mehr zu verlieren. Jetzt (!) muss gehandelt, geliebt und gelebt werden. Die Zeit ist jenes Paradigma, das der Freiheit die Grenze der Beliebigkeit setzt.

Vielleicht sind gerade die in Gefahr, die in ständigem Kontakt mit dem Ewigen sind, zu denken, sie hätten alle Zeit der Welt. Wie sonst redeten gerade die Verantwortlichen der Kirche permanent von Zukunftsprozessen, selten bis nie aber vom heute. Die Zukunft liegt ja immer voraus. Wenn sie kommt, ist sie schon wieder vorbei. Die Zukunft ist unkonkret, das Jetzt aber der Ort des Lebens.

Deshalb wird, wer nur auf die Zukunft schaut, das Leben heute verpassen. Hier liegt doch der tiefere Sinn der Verheißung Jesu:


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 9. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Die Begegnung mit dem Fremden bedeutet immer eine Herausforderung. Die fremde Sprache, die Andersartigkeit der Kultur, die unterschiedlichen Mentalitäten – all das muss kommunikativ erst einmal überwunden werden. Die Angst vor dem Fremden bedeutet zudem eine große Hürde, die überwunden werden muss. Nicht jeder will sich dieser Herausforderung stellen. Die Angst davor, sich selbst verändern und wandeln zu müssen, ist bei vielen groß. Manche leben geradezu davon, die Ängste vor dem Fremden zu schüren. Allein: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Angst führt in die Enge. Ihre Folge ist nicht Selbstentfaltung, sondern Selbstbeschränkung. Die Angst vor dem Fremden führt so letztendlich sogar zum Verlust der eigenen Identität. Wo die Angst die Herrschaft übernommen hat, ist das Selbstbewusstsein meist ferne.

Die Begegnung mit dem Fremden kann hingegen eine Bereicherung sein. Wohlgemerkt: Kann – sie muss es nicht. In jedem Fall erfordert die herausfordernde Begegnung mit dem Fremden ein gerüttelt‘ Maß an Überwindung. Es mag erstaunen, dass selbst Jesus hier überwunden werden muss. Das Markusevangelium etwa weiß von der Begegnung Jesu mit einer syrophönizischen Frau zu berichten. Jesus selbst hat seine Heimat verlassen und befindet sich auf fremden Terrain. Er ist in Tyrus. Dort begegnet er eben jener nichtjüdischen Frau, die sich an ihn mit dem Anliegen wendet, aus ihrer besessenen Tochter Dämonen auszutreiben. Jesus aber weist diesen Ansinnen zuerst brüsk zurück:

Lasst zuerst die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. (Markus 7,27)


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Wer die Wahrheit wahrhaft sucht, kann sich nicht mit Fiktionen begnügen. Weil der Glaube selbst die Wahrheit zu verkünden trachtet, ist seine Methode die Vernunft. Glaube ohne Wissen und Erkenntnis ist Unmöglichkeit, eher eine autosuggestive Fiktion, die den Wirren des Lebens eine oberflächliche Stabilität zu verleihen mag, die aber bei ersten lauen Lüftchen des Zweifels wie Sand weggeblasen wird und die dicht unter der Oberfläche liegenden Hohlräume offenbart. Fiktion ist eben, was der lateinische Herkunftsbegriff fictio schon sagt: Erfundenes, Ausgedachtes, selbst Gestaltetes. Die Meister der Fiktion erschaffen sich eine eigene Welt, ein in sich geschlossenes System, das eine gewisse Tragfähigkeit beweist, solange man nicht an den dürren Fundamenten rüttelt. Um dieses System zu schützen, werden allerlei Maßnahme ergriffen. Die simpelste ist es, die eigene Sicht als unumstößliche Wahrheit zu definieren, alles andere hingegen als Lüge. Allein schon die Frage, warum denn etwas so ist, wie es ist, wird dann als aggressiver Akt gedeutet, als satanische Versuchung, als Glaubensschwäche – oder einfach als Lüge. Wer nicht das sagt, was man selbst denkt, lügt.

Das Phänomen ist nicht neu, gegenwärtig aber brandaktuell. Es betrifft Gesellschaft und Kirche gleichermaßen. Dem ultimativen katechetischen Apodiktum „Das muss man glauben“, das jede Frage nach rationaler Rechenschaft über das zu Glaubende autoritär unmöglich macht, korrespondiert das Armutszeugnis einer sich mündig wähnenden Bürgerschaft, die sich lieber der desinformativen Flut von Online-Foren und sogenannter sozialer Medien hingibt, als sich kritisch mit Zahlen, Daten und vor allem Fakten auseinandersetzen. Wer braucht schon Fakten, wenn es doch das Hören-Sagen gibt. Der besorgte Bürger nährt seine Sorge gerne aus dem, was er immer schon wusste und nun wieder hört. Es reicht, dass jemand jemanden kennt, der etwas im Internet gesehen hat. Gerade weil das, was er dort hört, das eigene Bild bestätigt, genügt das schon. Nachfragen und Nachprüfungen braucht da niemand. Die fiktive Verifikation der Autosuggestion reicht doch schon. Man hat es doch immer schon gewusst. Und die, die tatsächlich recherchieren und prüfen und noch einmal nachfragen und Fakten suchen und die Fakten sortieren und bewerten und interpretieren – ja: ohne Interpretation geht es nicht – und dafür den rationalen Verstand vor die irrationale Macht der Sorge setzen, die lügen, wenn sie nicht das sagen, was man selbst immer schon wusste.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Es sind die Tage der Not, in der viele Wort gemacht werden. Der Schockstarre des Entsetzens und dem Moment erschrockenen Schweigens folgen Erklärungsversuche, die das Unfassbare begreifbar zu machen versuchen. Es sind die immer gleichen Worte, die in solchen Momenten zu hören sind. Geradezu rituell versichern sich die Getroffenen gegenseitig der Solidarität. Und das ist gut so!

Die Feigheit der Attentäter in Paris hat über 120 Menschen das Leben gekostet. Nach allem, was man in dem Moment, in dem diese Zeilen entstehen, gut einen Tag nach der Attacke, weiß, sollen die Angreifer gerufen haben „Das ist für Syrien“. Sie kämpfen bis an die Zähne bewaffnet einen Kampf gegen Unbewaffnete. Mannhaftigkeit sieht anders aus. Märtyrertum auch. Es sind die Mächte der Finsternis die so kämpfen, verdunkelte Seelen, die das Leben verachten. Wer aber das Leben verachtet, das eigene wie das fremde, verachtet auch den Geber des Lebens.

Es gibt keine Worte die das Unfassbare begreifen können. Sinnloses kann auch durch noch so viele Zeichen, Gesten, Rituale und Erklärungsversuche nicht mit Sinn aufgeladen werden. Und doch werden viele Worte gemacht. Worte verbinden. Sie helfen, die Sinnlosigkeit zu überleben. Es muss geredet werden, um die Trauer bewältigen zu können.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 32. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Meisterlich versteht es der Mensch, die Dinge so zurecht zu denken, dass er sie in seinem jeweiligen Selbst- und Weltbild fassen kann. Wie selbstverständlich definiert er sich als Absolutum, von dem aus die Welt zu fassen ist. Das ist in gewisser Weise verständlich, denn der Mensch besitzt nur diese eine Perspektive, aus der heraus er die Welt sinnlich erfassen kann. Es ist sein Standpunkt, aus dem er die Welt wahrnimmt. Paart sich dieser egomanische Zentrismus aber mit einer Unfähigkeit zur Selbstreflexion und –relativierung, dann erhebt sich der Mensch schnell selbst zum Maß aller Dinge.

Eine Frucht dieses anthropologischen Autismus, der nicht wenige Zeitgenossen befällt, ist ein Mangel an emotionaler und kommunikativer Kompetenz. Weil er sich selbst und seinen kleine Weltausschnitt zum Maß aller Dinge macht, wird das Fremde und Unbekannte zur Bedrohung.  Dem archaischen Urtrieb folgend reagiert er mit Angst. Er hat sich zwar selbst zum Maß aller Dinge gemacht; ihm fehlt allerdings ein Bewusstsein seiner selbst. Denn Selbstbewusstsein erwächst erst aus der Fähigkeit, von sich selbst zu abstrahieren, sich aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten, gewissermaßen mit den Augen eines Gegenübers. Selbstbewusst kann nur der sein, der seine Identität aus der Begegnung mit dem Anderen und vielleicht auch Fremden herausbildet.


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 30. Sonntag im Jahrskreis, Lesejahr B

Die Texte dieses Sonntags stellen uns den Kernpunkt priesterlichen Selbstverständnisses (Hebr 5,1-6) und seelsorglichen Handelns allgemein vor.

Viel von dem Eindruck, der vielleicht oftmals fälschlicherweise entsteht, dass Priester einen höheren Stellenwert besitzen als andere, dass sie ihren Mitmenschen und Mitchristen überlegen seien, wird direkt zu Beginn der Textstelle relativiert:

„Denn jeder Hohepriester wird aus den Menschen ausgewählt und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott“ (Hebr 5,1)

Das heißt, niemand ist allein Priester für sich, sondern bei dem Amt handelt es sich um ein Dienstamt FÜR alle Menschen. Selbstverständlich ist das Aufgabenspektrum ein besonderes, aber die Vollmacht es auszufüllen muss gegeben werden; nicht aus eigenem Können heraus, nicht aus eigener Kraft, sondern weil Gott durch die Weihe diese Kraft verleiht – zum Wohl aller Menschen. So heißt es auch weiter:

„Und keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde, sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron“ (Hebr 5,4)

Dies gilt sogar für den Gottessohn, für Christus selber, denn selbst er

„hat (…) sich nicht selbst diese Würde eines Hohenpriesters verliehen, sondern der, der zu ihm gesprochen hat: Mein Sohn bist du.“ (Hebr 5,5)

Ein Abschnitt im veröffentlichen Text der deutschen Sprachgruppe der gerade beendeten Familiensynode ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Ausspruch des Hebräerbriefes:


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 29. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Im Bewusstsein um die Erhabenheit seiner Würde neigt der Mensch dazu, sich die Welt schön zu denken. Ein Wesen wie er, begabt mit Verstand und Selbstbewusstsein, kann nur der Fixpunkt sein, den Archimedes suchte, um die Welt aus den Angeln zu heben. Wahrlich: Der Mensch macht sich die Welt nicht nur untertan. Er konstruiert sich seine eigenen Weltrealitäten. Er schafft sie immer wieder neu, um sie handhabbar und begreifbar zu machen. Der Mensch konstruiert sich seine Wirklichkeit selbst – und sei es um den Preis der Realitätsverweigerung.

Gerade der postmoderne Mensch der Gegenwart liebt sich selbst um dieser Selbstsuggestion absoluter Autonomie willen sehr. Sich narzisstisch im Glanz des eigenen Spiegelbildes sonnend konstatiert er, dass die Realität ihm zu gehorchen hat. Er ist die Macht, die gottgleich Wirklichkeiten schafft. Er verflucht, was sich ihm widersetzt. Wirklich hat gefälligst nur das zu sein, was er will. Dieser tolle Mensch ist nicht mehr ein Geschöpf, einer Welt ausgesetzt, deren Voraussetzungen ihm Leben ermöglichen, wenn er sich eben mit jenen Voraussetzungen auseinandersetzt. Nein, dem tollen Menschen von heute ist die Welt kein Gegenüber mehr, sondern bestenfalls Objekt, denn er schafft sich seine Welt selbst. Der tolle Mensch von heute ist ein Avatar, der die analoge Wirklichkeit der Welt nur dann braucht, wenn sie ihm in den Kram passt. Wenn sie hingegen zum Störfaktor seines Wünschens und Denkens wird, wird sie schlicht mit einem Bann belegt. Wo käme der tolle Mensch der Gegenwart denn hin, wenn er den Gesetzen der Wirklichkeit gehorchen müsste. Er ist es doch, der sagt, was geht und was nicht; er setzt doch die Maßstäbe, dessen größter er selbst ist, der Fixstern, die Sonne im Mittelpunkt des Egosmos. Wie groß muss er doch sein, weil die Welt um ihn kreist.

Als herausragender Vertreter des tollen Menschen der Gegenwart hat sich jüngst der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer erwiesen, der mit Blick auf die politischen Entscheidungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel bezüglich der Bewältigung des Flüchtlingsstroms kategorisch feststellt:


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Wenige katholische Ereignisse finden eine so starke mediale Begleitung wie die derzeit laufende Familiensynode in Rom, die sich noch weitere zwei Wochen mit den Themen rund um Ehe und Familie befassen wird. Sonderbar erscheint dem Betrachter dabei der eigenartig abweisende, manchmal gar feindselige Ton, dem sich insbesondere die deutschen Bischöfe ausgesetzt sehen, die doch hier im Allgemeinen nicht als ultragefährliche revolutionäre Kräfte angesehen werden. Ganz unzweifelhaft ist es schon ein gewaltiger Schritt nach vorn, den Papst Franziskus durch die ganz andere Atmosphäre der Offenheit und Gesprächskultur gegangen ist.

Zwar mag manch einer die starken Gesten des Papstes bekritteln, doch welche Taten haben diejenigen vor Augen, die sie vom Papst fordern, der doch vor allem durch Gesten und gute Argumente seinen Petrusdienst versehen muss, weil kaum irgendwo auf der Welt noch blinder Gehorsam befohlen werden könnte. Aber stehen sich nicht Positionen von respektvoller Toleranz gegenüber homosexuellen Partnerschaften und auch neuen Beziehungen Geschiedener diametral gegenüber mit solchen, die darin nur kulturellen Niedergang sehen können? Die einen meinen „Da aber die eheliche Gemeinschaft unmittelbar in der geschöpflichen Natur des Menschen angelegt ist, so erhebt sich die Frage, ob es nicht gleichsam einen natürlichen Anspruch auf menschliche Lebensgemeinschaft mit einem Partner und auf die Ausübung der Sexualität gibt.“ (Professor Müller), während die anderen dekretieren: Homosexuelle Akte sind „gegen das Naturgesetz, sie sind Sünde“, sagte der Kardinal wörtlich und stellt fest, die Kirche könne nicht ändern, was Christus gelehrt hat, weder vor noch nach der Synode. Bezüglich der Ehe seien das in erster Linie die Worte „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (selber Autor als Kardinal). Bedauerlich in diesem Zusammenhang scheint eben die mangelnde Bereitschaft, die Haltung des Papstes der Werbung und der argumentativen Überzeugungsarbeit zu teilen. Weder hat Benedikt XVI. erläutert, warum des Professors Ratzinger Thesen überarbeitet werden mussten und in ihr Gegenteil verkehrt wurden, noch erklärt uns Kardinal Müller die Gründe, die zu der Meinungsänderung des vormaligen Professors Müller geführt haben. Rätselhaft. Aber wie sollen derartige Unterschiede in einer Kirche überbrückt werden, wenn sich schon unter Bischöfen die Positionen derart unvereinbar gegenüber stehen.


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