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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 7. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Selfie – die Zeitgenossen im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts werden Zeugen der Erschaffung einer neuen Instanz der menschlichen Psyche. Über-Ich, Ich, Es – das alles scheint in den Hintergrund zu rücken angesichts der Macht, das Selfie selbst zu konstruieren. Dabei stört es wenig, dass „Selfie“ linguistisch ein Diminutiv ist – also eine Verkleinerung des Selbst einschließt. Das selbstgemachte und erfundene Ich, das „Selfie“, ist bestenfalls niedlich, selbst wenn Coolness suggeriert werden soll. Das „Selfie“ offenbart nur zu schnell, dass die konstruierte Fassade nur mühsam das wahre Ich zu verschleiern vermag. Auch hier gilt: Hinter der Maske verbirgt sich das wahre Gesicht. Bleibt nur zu fragen, warum das wahre Gesicht sich eine Maske erschafft … Ist das Selbstbewusstsein tatsächlich so klein, dass es sich selbst hinter einem „Selfie“ verstecken kann?

Das Selfie soll etwas darstellen. Es ist eine tönerne Maske, in sich und an sich hohl – ein selbstreferentielles Spiegelbild eines identitären Konjunktivs: So könnte man sein, wenn es nur so wäre. Aber klingt hinter diese Maske wirklich eine Persönlichkeit?


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Christkönigssonntag, Lesejahr C

Das heutige Evangelium beinhaltet aus meiner Sicht einen DER Kernsätze und einen Verständnisschlüssel unseres Glaubens: Jesus sagt zu dem neben ihm gekreuzigten Verbrecher:

Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. (Lk 23,43).

Und zwar gibt Jesus dieses Versprechen ohne lange vorhergehende Glaubensgespräche. Es geht ein kurzer Dialog zwischen den beiden rechts und links von Jesus gekreuzigten Männern voraus, denn der eine verspottet, trotz seiner eigenen aussichtslosen Situation, Jesus:

Bist du nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! (Lk 23, 39)

woraufhin der andere ihn zurecht weist:

Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht Recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. (Lk 23,40f.).

Der Mann hat, zumindest entsteht dieser Eindruck, auch aufgrund seiner eigenen „Charakterisierung“ (Uns geschieht Recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten), viel Unrecht und Verbrechen begangen, also kein Leben, das als „gottgefällig“ bezeichnet werden könnte, geführt. Aber am Ende seines Lebens, im wahrsten Sinne des Wortes, im Angesicht Gottes, erkennt er diese eigene Schuld und seine Sünde, also sein von Gott getrennt sein, und bekennt sich in diesem – letzten Lebens- -Moment zu Gott, indem er seinen Sohn als Gott bezeichnet und identifiziert. Das `reicht` Jesus für die feste Zusage: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Ohne Kompromisse, ohne Wenn und Aber. 


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Erster Fastensonntag, Lesejahr B

Der Fluch der Freiheit lastet schwer auf dem Menschen. Zur Freiheit ist er geboren. Die Aufgabe der Freiheit ist nicht nur Recht, sondern auch Pflicht. Nicht wenige schaffen sich die Illusion einer absoluten Freiheit, des Tun-und-Lassen-Könnens nach eigenem Gusto. Dabei sind der Freiheit natürliche Grenzen gesetzt. Das Phänomen der Zeit alleine begrenzt das menschliche Streben nach absoluter Freiheit. Wenn überhaupt, dann ist ein Mensch nur bei seiner ersten Entscheidung absolut frei. Mit dieser Entscheidung aber setzt er einen irreversiblen Akt, zumal dann, wenn diese freiheitliche Entscheidung auch in eine Tat umgesetzt wird. Aber sowohl der bloße Gedanke wie auch die ausgeführte Tat setzen ein Faktum in die Welt, eine Tatsache, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Die fortlaufende Zeit verhindert eine Rückkehr zum Status ante quo. Man kann weder den gedachten Gedanken noch die ausgeführte Tat rückgängig machen. Sie sind geschehen. Man kann sie korrigieren, wiedergutmachen, ausnutzen, weiterverfolgen – aber ungeschehen machen kann man sie nicht. Der fortschreitende Lauf der Zeit verhindert das. Jede freiheitliche Entscheidung zeitigt so unmittelbar Konsequenzen, die den Rahmen für alle folgenden Entscheidungen bilden. Jede folgende Entscheidung ist nie mehr absolut frei, sondern beeinflusst vor den vorhergehenden Entscheidungen. Und das ist allein die Betrachtung aus der Perspektive des Individuums. Nimmt man die soziale Dimension des Menschsein hinzu, dann wird das Streben nach Freiheit noch weiter eingegrenzt. Denn jede individuelle Entscheidung hat ihre mehr oder weniger großen Auswirkungen auf die Entscheidungen anderer Individuen.

Die Freiheit ist ein wahrhaft hohes Gut. Sie ist kostbar, gerade weil sie begrenzt ist. Freiheit ist nicht unbegrenzt verfügbar. Ein Mensch, der sich absolut frei im Sinne einer “Freiheit von Zwängen” wähnt, erliegt deshalb einer Illusion. Gerade weil die eigenen freiheitlichen Entscheidung korrelierend auf die freiheitlichen Entscheidungen anderer einwirken, kann Freiheit eigentlich nicht im Sinn einer “Freiheit von” verstanden werden. Die Freiheit als kostbares Gut gedeiht nur auf einem Boden, der mit Verantwortung gedüngt ist. Wahre Freiheit setzt die Übernahme von Verantwortung voraus.

Eine Freiheit ohne vorausgehendes Verantwortungsbewusstsein trägt den Keim der Vernichtung in sich. Der Einzelne setzt sich selbst ohne Verantwortung den Mitmenschen gegenüber absolut. Er ist keinem Rechenschaft mehr schuldig, keinem Menschen, keinem Gegenüber, Gott schon gar nicht. Das Böse, die die Ordnung der Welt zerstörende Kraft gewinnt dann die Oberhand. In der Bibel wird diese Macht auch als שָׂטָן (hebräisch: Satan) bezeichnet. שָׂטָן/Satan bedeutet übersetzt “Gegner”. Der Begriff bezeichnet eine dem Willen Gottes gegenläufige Macht, die die Ordnung der Welt durcheinander bringt. Sie ist wahrhaft diabolisch (vom griechischen διάβολος – sprich: diábolos – wörtlich: der Durcheinanderbringer).


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kath 2:30 Aktuell LogoDas Christentum und die Beschneidung

Das Urteil, mit dem das Landgericht Köln Ende Juni 2012 die Rechtswidrigkeit religiös motivierter Beschneidungen festgestellt hat, hat eine heftige Kontroverse ausgelöst. Dabei fällt auf, dass die Kampflinie durch die jeweiligen Standpunkte bestimmt wird, die die Kontrahenten aufgrund ihrer jeweiligen Profession innehaben. Juristen sehen die Rechte des Kindes gefährdet, Mediziner die körperliche Unversehrtheit des Kindes und Theologen die Religionsfreiheit. Jeder steht für seine Werte ein – aber niemand scheint in der Lage zu sein, die Werte gegeneinander abzuwägen. Denn eins steht fest: Nur der jeweils eigene Wert ist es wert beachtet zu werden.


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