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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 14. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Die Folgen sind verheerend. Das menschliche Streben nach Selbstbestimmung, die Leugnung jedweder Selbstrelativierung, das menschliche Sinnen und Trachten, das eigene Wünschen für das Wohl der Welt zu halten, zeitigt letztlich immer Folgen, die der Mensch an sich kaum oder gar nicht beherrschen kann. Den Folgen seiner schöpferischen Entscheidungen ausgeliefert spürt selbst manch Vernunftstolzer plötzlich den Stoß zum Gebet. Klagend ruft er dann nach einem Gott, der eingreifen soll: Wieso, Gott, lässt Du das zu? Wo bist Du jetzt, Gott?

Chaos ist nur allzu oft das, was herauskommt, wenn der Mensch sich in seinem schöpferischen Streben nicht selbst relativiert. Er wähnt sich dann als Mittelpunkt der Welt. Sein Standpunkt ist exklusiv. Aus dieser Exklusivität heraus betrachtet er die Welt, hin und wieder auch Gott. Seine Sicht der Dinge ist die allein gültige. Dieser Mensch allein entscheidet zwischen Gut und Böse, Wohl und Wehe, bisweilen sogar zwischen Leben und Tod. Wer nicht für ihn ist, wird verurteilt, entwürdigt, entwertet. Spiegel liebt er nicht, dieser Mensch, denn er würde eine Fratze erblicken, die nicht dem Bild entspricht, das er von sich selbst hat. Lieber definiert er selbst die Regeln. Einer seiner Lieblingssätze aber lautet: „Das hat alles nichts zu tun mit …“.

„Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ – hört man, wenn sich selbsternannte Gotteskrieger Allahu akhbar schreiend im Auftrag eines sogenannten „Islamischen Staates“ in die Luft sprengen. Dem gleichen Reflex folgt auch die Reaktion eher links im politischen Spektrum stehender Politikerinnen und Politik, die angesichts der Gewalt linksautonomer Gruppen in der Hamburger Krawallnacht vom 7. Juli 2017 schnell in die Tastaturen Ihrer Smartphones tippen:


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kath 2:30 Dies Domini Dies Domini – Dritter Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C

Mit dem heutigen Evangelium vom wunderbaren Fischfang sind wir in einem sehr dichten Moment der frühen Kirche. Ein Osterereignis, in dem uns der Verfasser als der Apostel Johannes, einen Einblick gewährt in den Hintergrund der ersten Glaubenserlebnisse oder Glaubenserfahrungen nach der so schmachvollen Hinrichtung des Anführers. Und gleichzeitig bekommen wir einen Eindruck vom Werden der Keimzelle dessen, was wir noch heute als Kirche, Viele als unsere Kirche, erleben. Denn etwas muss geschehen sein, was diese verängstigte und verzweifelte kleine Gruppe von Außenseitern neben der damaligen Mehrheitsgesellschaft so wirkungsvoll ihren Glauben hat bekennen lassen, das daraus binnen kurzem etwas Weltumspannendes werden konnte. Vor dem Bekenntnis steht aber die Erkenntnis. Was haben diese Jünger nur erlebt, das etwas so Unglaubliches geschehen konnte?

Die Emmaus-Geschichte erzählt es prototypisch, aber auch das Evangelium des heutigen Sonntags schildert uns, wie dieses Umkehren aus der Dunkelheit des Todes in das vom Auferstandenen her strahlende Licht geschehen konnte: als die sieben Apostel den Herrn am Ufer stehen sahen, sie waren inzwischen zu ihren „bürgerlichen“ Berufen zurückgekehrt, ahnten sie nicht, dass er es war.


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kath 2:30 Auf ein Wort LogoDas Bild ging um die Welt. Papst Franziskus öffnete die Flügel der sog. heiligen Pforte im Petersdom. Nach dem Beginn des Kirchenjahres am ersten Advent und vor dem neuen Kalenderjahr eröffnete er mit dieser eindrucksvollen Geste ein sog. „heiliges Jahr“ als Jahr der Barmherzigkeit. Das mag zunächst wieder so ein katholisches „Sonderding“ sein. Die Botschaft von Gottes Barmherzigkeit aber gilt den Menschen aller christlichen Konfessionen und Religionen, sie gilt allen Menschen guten Willens. Wer will ernsthaft bestreiten, dass die gegenwärtige Welt an vielen Orten und aus vielen Nöten nach Barmherzigkeit schreit.


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kath 2:30 setzt seine Sakramentenreihe fort. In Episode 34 stellen wir das Ehesakrament (gameîn) dar. Bis zur Veröffentlichung des Videos, hier schon mal ein paar Bilder von den Dreharbeiten:

 

 

Ein Paar vor dem Traualtar. Vanessa Wunsch und Olaf Reitz. Foto: Maik Grabosch

Ein Paar vor dem Traualtar. Vanessa Wunsch und Olaf Reitz. Foto: Maik Grabosch

 

„Bitte lächeln!“ Foto: Maik Grabosch

„Bitte lächeln!“ Foto: Maik Grabosch

 

Ein Schlüsselbild im späteren Video. Foto: Maik Grabosch

Ein Schlüsselbild im späteren Video. Foto: Maik Grabosch

 


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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Wenige katholische Ereignisse finden eine so starke mediale Begleitung wie die derzeit laufende Familiensynode in Rom, die sich noch weitere zwei Wochen mit den Themen rund um Ehe und Familie befassen wird. Sonderbar erscheint dem Betrachter dabei der eigenartig abweisende, manchmal gar feindselige Ton, dem sich insbesondere die deutschen Bischöfe ausgesetzt sehen, die doch hier im Allgemeinen nicht als ultragefährliche revolutionäre Kräfte angesehen werden. Ganz unzweifelhaft ist es schon ein gewaltiger Schritt nach vorn, den Papst Franziskus durch die ganz andere Atmosphäre der Offenheit und Gesprächskultur gegangen ist.

Zwar mag manch einer die starken Gesten des Papstes bekritteln, doch welche Taten haben diejenigen vor Augen, die sie vom Papst fordern, der doch vor allem durch Gesten und gute Argumente seinen Petrusdienst versehen muss, weil kaum irgendwo auf der Welt noch blinder Gehorsam befohlen werden könnte. Aber stehen sich nicht Positionen von respektvoller Toleranz gegenüber homosexuellen Partnerschaften und auch neuen Beziehungen Geschiedener diametral gegenüber mit solchen, die darin nur kulturellen Niedergang sehen können? Die einen meinen „Da aber die eheliche Gemeinschaft unmittelbar in der geschöpflichen Natur des Menschen angelegt ist, so erhebt sich die Frage, ob es nicht gleichsam einen natürlichen Anspruch auf menschliche Lebensgemeinschaft mit einem Partner und auf die Ausübung der Sexualität gibt.“ (Professor Müller), während die anderen dekretieren: Homosexuelle Akte sind „gegen das Naturgesetz, sie sind Sünde“, sagte der Kardinal wörtlich und stellt fest, die Kirche könne nicht ändern, was Christus gelehrt hat, weder vor noch nach der Synode. Bezüglich der Ehe seien das in erster Linie die Worte „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (selber Autor als Kardinal). Bedauerlich in diesem Zusammenhang scheint eben die mangelnde Bereitschaft, die Haltung des Papstes der Werbung und der argumentativen Überzeugungsarbeit zu teilen. Weder hat Benedikt XVI. erläutert, warum des Professors Ratzinger Thesen überarbeitet werden mussten und in ihr Gegenteil verkehrt wurden, noch erklärt uns Kardinal Müller die Gründe, die zu der Meinungsänderung des vormaligen Professors Müller geführt haben. Rätselhaft. Aber wie sollen derartige Unterschiede in einer Kirche überbrückt werden, wenn sich schon unter Bischöfen die Positionen derart unvereinbar gegenüber stehen.


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kath 2:30 Dies DominiAm 20. Juli 2015 hielt der Wuppertaler Stadtdechant Dr. Bruno Kurth anlässlich der Gedenkveranstaltung zum gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 im Deweerth’schen Garten in Wuppertal-Elberfeld die Gedenkrede vor 180 Teilnehmern. Zu der jährlichen Gedenkveranstaltung laden die Stadt Wuppertal, die jüdische Kultusgemeinde und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Wuppertal ein. Wir dokumentieren im Folgenden den Wortlaut der bemerkenswerten Rede von Dr. Bruno Kurth:

Sehr geehrte Damen und Herrn,
sehr geehrte Frau Krause,
sehr geehrter, lieber Oberbürgermeister Peter Jung,
sehr verehrter Herr Goldberg,
lieber Rabbiner Vinitz,
sehr geehrter Herren Remmert und Zimmermann,

„Falsche Propheten mit einem Kreuz auf der Fahne, das aber nicht das Kreuz des Welterlösers ist, ziehen durch Städte und Dörfer. Sie verwüsten die Herzen des leidenden Volkes.“     (nach Zeugen für Christus I, 307)

So mahnte 1930 auf dem 69. Deutschen Katholikentag in Münster der Wuppertaler Bernard Letterhaus. Ein waches und klares politisches Bewusstsein ließ ihn früh das Unheil und die Gefahr erkennen, die von den Nationalsozialisten ausging. Seine Herkunft aus einer Arbeiter- oder Handwerkerfamilie, eine im christlichen Glauben gründende Überzeugung und sein Mut motivierten ihn früh dazu, das auch öffentlich auszusprechen, als Verbandssekretär der Westdeutschen KAB oder als Mitarbeiter der Westdeutschen Arbeiterzeitung, der WAZ. Bernard Letterhaus war einer der Köpfe in den christlichen Kreisen des Widerstandes. Wenige Tage nach dem misslungenen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er verhaftet, am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

*

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
wir gedenken am heutigen Tag vor dem Denkmal im Deweerth’schen Garten aller Opfer der NS-Herrschaft und des NS-Terrors, der Millionen Juden, die dem Antisemitismus und dem Rassenwahn der NS-Ideologie zum Opfer fielen und im Holocaust ermordet wurden, und besonders der Opfer in Wuppertal. Wir ehren die politisch Verfolgten, Mitglieder der verschiedenen Parteien, die die Nazis bekämpften, und die Gewerkschaftler. Wir wissen, dass andere Minderheiten wie Sinti und Roma, die Zeugen Jehovas und andere ebenso zu den Verfolgten gehörten. Sie sehen mir nach, wenn diese Erwähnung nicht vollzählig sein kann.

Heute am 20. Juli ehren wir die Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, die sich aktiv gegen die NS–Herrschaft, gegen den Führerstaat und zuletzt gegen den Krieg wandten. Viele haben diesen Einsatz mit ihrem Leben bezahlt. Sie gehörten unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, politischen Richtungen, religiösen Gemeinschaften und Weltanschauungen an.


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kath 2:30 Auf ein Wort Logo50 Tage liegen zwischen dem niederschmetternden Scheitern und dem Aufbruch. Der Aufbruch muss reifen. Wie ein Samenkorn in dunkler Erde, wie eine Frucht verborgen im Innern der Blüte muss der Aufbruch reifen. Wer vor der Zeit aufbricht, kann sich leicht verirren. 50 Tage warteten sie damals in Jerusalem hinter verschlossenen Türen, angstvoll trotz der Gewissheit, dass der Gekreuzigte wieder lebt. 50 Tage im Grau zwischen Tod und Leben. Und dann dieser Aufbruch.


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kath 2:30 Dies DominiSeit Ende 2013 informieren die Banken ihre Kunden darüber, dass sie seit 2014 gesetzlich verpflichtet sind, die auf Kapitalerträge anfallende Kirchensteuer direkt an das Finanzamt abführen. Viele werden durch das Schreiben irritiert, weil sie denken, die Kirche wolle an ihre Ersparnisse. Das Ersparte bleibt aber nicht nur völlig unberührt. Auch die auf Kapitalerträge anfallende Kirchensteuer ist bei weitem nicht so hoch, wie mancher vermutet.

Die Höhe der Kirchensteuer bemisst sich immer an der Höhe der Einkommensteuer. Gegenwärtig sind das 9% der Einkommensteuer. Kirchensteuern werden aber auch auf andere Einkünfte, die besteuert werden, erhoben – so auch auf Kapitalerträge, also zu versteuernde Zinsgewinne u.ä.

Bisher mussten diese Gewinne, sofern sie den Sparerpauschbetrag überstiegen, in der Steuererklärung angegeben werden. Sie wurden dann vom Finanzamt mit 25% besteuert. Auf diesen Betrag wurden dann, sofern der Sparer Mitglied der Kirche war, 9% Kirchensteuer erhoben.

Dieser Sachverhalt hat sich grundsätzlich nicht geändert. Geändert hat sich das Verfahren. Die Kirchensteuern werden nun nicht mehr im Rahmen der Einkommensteuererklärung abgeführt, sondern unter Umständen unmittelbar von der Bank. Hierzu führen die Banken jährlich eine Abfrage durch. Für diejenigen, die der Abführung der Kirchensteuer, die auf die zu versteuernden Zinsgewinne erhoben wird, durch die Banken widersprechen, wird die Kirchensteuer weiterhin im Rahmen der Einkommensteuererklärung berechnet.

Die Kirchensteuer wird nicht auf das Sparguthaben erhoben, sondern ist von der Höhe der Kapitalertragssteuer abhängig. Wer keine Steuern auf das Ersparte zahlt (etwa bei Lebensversicherungen, die länger als 12 Jahre laufen und steuerfrei sind, oder für Zinserträge, die unter dem Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 EUR für Ledige und 1.602 EUR für Zusammenveranlagte liegen), zahlt auch keine Kirchensteuer.


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kath 2:30 Dies DominiEin kurzer Essay über den Umgang mit Texten und die Haltung Jesu zur Gewalt

Nicht erst seit dem perfiden Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt am 7.-9. Januar 2015 in Paris, der 17 Menschen das Leben kostete, ist die Diskussion um die Frage entbrannt, welche Rolle Gewalt im Islam spielt. Von religionskritischer Seite wird die Frage sogar ausgeweitet. Nicht selten ist dann der Vorwurf zu hören, der Monotheismus an sich berge eine Tendenz zur Gewalt gegenüber Andersgläubigen. Auch das Christentum, das doch zur Nächstenliebe aufrufe, sei davor nicht gefeit. Immerhin sage Jesus selbst in Matthäus 10,34, er sei gekommen, um das Schwert zu bringen, und stelle damit seine eigene Aufforderung zur Feindesliebe aus Matthäus 5,44 radikal in Frage. Entpuppt sich der von den Christen als Heiland Verehrte damit nicht als Zerrbild? Wie also steht Jesus selbst zur Gewalt?

Die Frage ist nicht so komplex, wie sie auf den ersten Anschein aussieht. Sie wird es, wenn man ein einseitiges Jesusbild vertritt, dass aus Jesus einen Menschen macht, der nur lieb war. Dabei wird vergessen, dass Jesus bereits im Neuen Testament auch als Richter vorgestellt wird (etwa in 2 Korinther 5,10). Die alttestamentliche Gerichtsansage wird im Neuen Testament keineswegs aufgehoben – im Gegenteil. Sie bildet einen konstitutiven Bestandteil der neutestamentlichen und damit auch christlichen Botschaft, der gerne ausgeblendet wird. Das gilt auch für Aussagen über den Zorn Gottes u.a. – man muss hier nur etwa den Römerbrief 1,18 ansehen:


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kath 2:30 Auf ein Wort LogoSie waren anders.
Ganz anders als die heilige Familie in Judäa, Maria, Josef und das Kind.
Sie waren anders, die Weisen aus dem Morgenland, aus dem fernen Babylon, dem heutigen Iran, die einen besonderen Stern sahen und den neugeborenen König suchten.
Sie waren anders – in ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Kultur, ihrer Sprache.
Und sie kamen.
Wenn „ganz andere“ kommen, dann ist das immer wieder eine sehr sensible, kritische Ange-legenheit unter Menschen, nie einfach. Selbst wenn man sich für einen offenen, toleranten Menschen hält. Muss ich mich sorgen um das, was mir wert und wichtig ist, um den Respekt vor meinem Glauben, meiner Lebensweise, um unsere Kultur und Demokratie? Muss ich mich sorgen um meine Sicherheit, meine Heimat, mein Heimatgefühl?
Wenn ganz andere ankommen, dann weckt das Unsicherheit, Ängste, Misstrauen.
Schlechte Erfahrungen mit religiösem Fanatismus in der Welt, sozialen Konflikten, Integrati-onsproblemen, die es ja gibt, nähren Abwehr und Sorge, ja Ablehnung und Hass. Politisch rechte Bewegungen spielen mit diesen Ängsten, schüren sie, nutzen die Unsicherheit aus, mit zutiefst schädlichen und zerstörerischen Folgen.


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