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kath 2:30 Dies DominiDies Domini – Christkönigssonntag, Lesejahr A

Wer dieser Tage ein wenig seine Gedanken im Lichte der Sonntagslesungen sammeln und aufschreiben will, der wird nicht umhinkommen, eine Menge auszusondern, das danach ruft, angesprochen und erörtert zu werden. Das Scheitern von Jamaika, die – drohende oder winkende – Erneuerung einer „großen“ Koalition, so etwas im Lichte des Christkönigssonntags anzusehen, mag erhellend sein. Es könnte ebenso hilfreich sein, die wunderbaren Worte des Zwischengesangs im Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ unter dem Aspekt zu betrachten, dass sie in eine landwirtschaftlich geprägte Mangelgesellschaft hineingesprochen sind: wie müssten sie lauten, um das gleiche uns heute zu sagen, die wir in städtischen Überflussgesellschaften leben?

Aber ein wichtiger Aspekt des Evangeliums drängt doch in den Vordergrund, in dem der Herr sein ewiges Gericht ankündigt, dessen Segnungen denen zugesagt sind, die ihm, der hungrig war, zu essen gegeben haben, ihm, der durstig war, zu trinken gaben und die anderen Werke der leiblichen Barmherzigkeit erbracht haben. Steht damit nicht die Position der Kirche und jedes moralisch anständigen Zeitgenossen fest: Wer den Flüchtlingen nicht im Lande hilft, der wird zu den Böcken gehören, denen zugerufen wird: 

„Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist.“ (Mt 25,41)

Und so hören sich ja auch die Aufrufe und flüchtlingspolitischen Stellungnahmen der führenden Kirchenmänner an. Muss man aber nicht auch mit Verstand fragen, ob das eigentlich eine effiziente Form der Hilfe ist?

Einer lesenswerten Zusammenfassung des Rechtsphilosophen R. Merkel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom letzten Mittwoch ist zu entnehmen, dass unsere Aufwendungen für Aufnahme und Versorgung der bisher bereits zu uns zugewanderten Armutsflüchtlinge in den kommenden zehn Jahren an die 300 Milliarden Euro kosten werden, was in den meist ärmsten Herkunftsländern ein Vielfaches an Wert hätte, um die Armut dort zu besiegen. Er kommt zu dem Schluss, dass der ökonomische und politische Aufwand, den die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung erfordert, eine gigantische moralische Fehlinvestition ist. Eine Bilanz, die sicher zum Nachdenken anregen sollte. Nicht um jegliche Hilfe hier bei uns einzustellen, sondern vielmehr um zu überlegen, ob nicht mehr Energie auf die Hilfe „vor Ort“ gerichtet werden könnte, was den Menschen ja dann auch ermöglichen würde, ihre Heimat nicht verlassen zu müssen.

Und dabei ist die Frage noch gar nicht gestellt, ob denn eine Zuwanderung aus islamisch geprägten Gesellschaften für unsere eigene kulturelle Identität wünschenswert ist, weil es der reine Zufall ist, dass unter den mehr als fünfzig vorrangig islamisch geprägten Staaten der Welt nicht eine einzige rechtsstaatliche Demokratie zu finden ist.

Jedenfalls solange wir nicht ernsthaft anfangen, unsere Verpflichtung gegenüber den Ärmsten der Welt ernst zu nehmen: Über eine Milliarde Menschen in den armen Ländern verbrauchen rund 1 % der gesamten globalen Produktion und rund eine weitere Milliarde bei uns mehr als 80 %. Wer das schreiende Unrecht darin nicht wahrnimmt, muss sich nicht wundern, wenn er eines Tages bei denen landet, denen vielleicht zugute zu halten ist, dass sie das Gute gewollt haben, aber deren Handeln doch dazu beigetragen hat, dass das Böse gewinnt. Denn auch die Böcke des Evangeliums hatten keine Ahnung, was sie anrichteten. Trotzdem droht ihnen

„sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten.“ (Mt 25,46)

Für die kommende Woche wünsche ich uns allen einen klaren, vernünftigen Blick, der uns erlaubt, das Gute zu sehen und zu wollen und ihm einen Schritt näherzukommen, damit wir schließlich doch alle zu den Schafen auf der rechten Seite des Herrn gehören dürfen und der Spruch des Herrn aus der Lesung auch für uns gilt:

„Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen“  (Ez 34,15)

Katharina Nowak

Katharina Nowak

Autor: Katharina Nowak

Katharina Nowak ist Diplom Theologin. Sie studierte in Bonn und arbeitet seit 2009 als theologische Assistentin bei der Katholischen Citykirche Wuppertal.

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