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kath 2:30 ReportageDie Aufmerksamkeit für die so genannte Jahrhundertflut in Pakistan war groß in Deutschland, die Spendenbereitschaft war es nach einigen Anlaufschwierigkeiten dann auch. Von dem anschließenden Leben der Flutopfer unter freiem Himmel und in Übergangszelten, von Missernten und Armut haben nur noch die Wenigsten etwas mitbekommen. Eine Erinnerung an die Menschen hinter der Katastrophe.


Eine Fotoreportage von Øle Schmidt

Mitte September kam endlich die erlösende Nachricht: das Wasser zieht sich zurück. Ein ganzes Land atmete auf, die Pakistanis schöpften neue Hoffnung nach einem Alptraum. Das war vor zwei Jahren.

Nach einer ungewöhnlich intensiven Regenzeit 2010 hatten Wassermaßen weite Teile des Landes verschlungen. Mehr als vierzehn Millionen Menschen waren von der Flut betroffen, sie hatten ihr Zuhause verloren, Angehörige, Felder und Tiere. Zu Hochzeiten der Flut stand ein Drittel von Pakistan unter Wasser. Die Vereinten Nationen stuften die Katastrophe schwerwiegender ein, als das Erdbeben in Haiti einige Monate zuvor und als der Tsunami sechs Jahre zuvor.

Als Ende Juli die ersten Meldungen von der einsetzenden Flut die deutsche Öffentlichkeit erreichten, ist die Hilfsbereitschaft der ansonsten spendablen Deutschen bescheiden. Ganz anders als nach dem Tsunami, ganz anders als nach dem Beben in Haiti.

Ausgerechnet den Islamisten helfen, ihr Land wieder aufzubauen? Denen, die Christen verfolgen? Diese Aussage hinter vorgehaltener Hand hörte ich nicht nur einmal, bevor ich für einige Wochen im Auftrag von Caritas international in die Pakistanische Hauptstadt Islamabad aufbrach. Eine Aussage, zynisch und dumm. Andererseits: Warum sollten die Menschen klüger sein als viele Politiker und Journalisten, die nach den Anschlägen vom 11. September Muslime im Allgemeinen und Pakistanis im Speziellen mit Vorurteilen und Pauschalisierungen diskreditierten.

Es bedurfte der öffentlichen Erinnerung von Prominenten daran, dass es Menschen seien, die ohne Hilfe verdursten und verhungern, nicht Falsch- oder Richtiggläubige. Nach einer Charmeoffensive in deutschen Medien, und einer Spendengala im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kam die Bereitschaft zu spenden dann ins Rollen.

Die von ihrem Geld finanzierte Nothilfe von Nichtregierungsorganisationen in den Flutgebieten Pakistans verfolgten viele Deutsche noch in den Medien. Die Katastrophe nach der Katastrophe, die mit dem Rückzug des Wassers einsetzte, dann schon nicht mehr. Vielleicht, weil das Leben der Millionen Flutopfer unter freiem Himmel und in Übergangszelten, weil die Missernten und die Armut medial irgendwann nicht mehr verwertbar waren. Vielleicht aber auch, weil die Menschen all das nicht mehr mitansehen wollten. Die nachfolgenden Fotos, gemacht in den Tagen der Flut, sollen an die vielen Menschen in Pakistan erinnern, die noch immer mit der Flut zu kämpfen haben, auch wenn das Wasser längst abgeflossen ist.

Øle Schmidt war als freier Journalist für Caritas international während der Flut fünf Wochen in Pakistan.

Oele Schmidt

Autor: Oele Schmidt

Der Journalist Øle Schmidt lebt und arbeitet in Lateinamerika und Deutschland.

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